Von Peter v. Oertzen und Michael Vester

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit von Spanien im Jahre 1865 geriet die Dominikanische Republik unter nordamerikanischen Einfluß. 1916 bis 1924 war sie von US-Truppen besetzt. Von 1930 bis zu seiner Ermordung im Mai 1961 regierte der Diktator Rafael Trujillo zusammen mit seiner Familie den Staat. Am 20. Dezember 1962 fanden die ersten freien Wahlen in der Geschichte des Landes statt. Der Schriftsteller Juan Bosch, der mehr als 25 Jahre in der Emigration gelebt und für die Befreiung seines Vaterlandes gewirkt hatte, wurde mit 62 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt; seine Partei, die Dominikanische Revolutionspartei, erhielt im Abgeordnetenhaus 70 von 95 und im Senat 22 von 27 Sitzen. Im September wurde Bosch durch einen Staatsstreich gestürzt. Eine zivile Junta, seit 5. Januar 1964 unter Donald Reid Cabral, übernahm die Regierung. Die treibenden Kräfte, die konservativen Militärs, unter ihnen der Luftwaffengeneral Elias Wessin y Wessin, blieben im Hinergrund.

Dies ist der Ablauf des Bürgerkrieges:

24. 4. 1965. Samstag. Junge Offiziere stürzen mit Hilfe hauptstädtischer Garnisonen die Junta Cabral.

25. 4. Sonntag. Abgeordnete der aufgelösten Volksvertretung versammeln sich. Der legale Kammerpräsident Dr. Molina Urena wird zum provisorischen Präsidenten ernannt. Oberst Caamano Deno kündigt die Wiederherstellung der Verfassung und die Rückkehr Boschs an. Die Luftwaffe unter General Wessin teilt die Bildung einer neuen Junta mit und beschießt das Präsidentenpalais.

26. 4. Montag. Die verfassungstreuen Kräfte beherrschen die Stadt Santo Domingo. Abermalige Luftangriffe der Junta-Anhänger. Bis jetzt 8 Tote. US-Kriegsschiffe vor der Küste.

27. 4. Dienstag. Die Verfassungstreuen, verstärkt durch mehrere Tausend bewaffnete Zivilisten und Polizeitruppen, beherrschen nach wie vor die Stadt. Die dominikanische Marine (10 kleinere Kriegschiffe, 2000 Mann) geht zur Junta über. Neue Luftangriffe auf die Stadt. 33 Tote. Erste US-Truppen landen und evakuieren 1000 Amerikaner. Der provisorische Präsident Urena dankt ab und sucht in der kolumbianischen Botschaft Asyl. Die internationale Presse berichtet daraufhin, der Aufstand sei zusammengebrochen.