FÜR alle Besitzer von Photoapparaten, egal, ob sie ihre Werke ins Familienalbum kleben oder sie in Druckwerken veröffentlichen, aber auch für Besucher von Photoausstellungen und Käufer von Illustrierten, kurzum: für alle diejenigen, die von Photographien bewußt Notiz zu nehmen gewillt sind –

Fritz Kempe: "Fetisch des Jahrhunderts – ein Lesebuch für Fotofreunde"; Econ-Verlag, Düsseldorf; 376 S., 84 Abb., 24,80 DM.

ES ENTHÄLT eine in sieben Kapitel gegliederte Einführung in den Umgang mit Photographien und verwandten Darbietungen wie Film und Fernsehen, eine mit 84 Beispielen belegte Abhandlung über Wesen, Wirkungen, Objekte und Macht der Photographie; dazu eine ergänzende Liste von Photobüchern, Bildern und Filmen.

ES GEFÄLLT, weil es dem – selber als Photograph und Ausstellungsleiter geübten – Verfasser gelingt, sowohl Erfahrene als auch Ungeübte, Hersteller als auch Betrachter von Photographien mit Überlegungen bekannt zu machen, die allzu selten vollzogen werden. Es gefällt auch, weil die Darstellung sich weder in philosophische Erörterungen verstrickt noch im banalen Photographier-Abc steckenbleibt. Kempe fragt, warum wir eigentlich photographieren (und übergeht dabei nicht das Familienalbum), er modifiziert den Begriff des Photos als eines Dokumentes, als eines Abbildes der Wirklichkeit, er macht geschickt mit den ästhetischen Qualitäten von Bildern aller Gattungen bekannt, er drückt sich auch nicht darum, Problematisches anzurühren und Kritik zu äußern. Wenn er auch manchmal moralisiert und auf Nebenwege abirrt, wenn er ausgerechnet im Kapitel "Prominente, Porträts und Personenkult" sich selber allzu freigiebig in Zitaten loben läßt – sein Buch bleibt empfehlenswert. m. s.