Gamal Abdel Nasser machte am Montag seinem enttäuschten Herzen Luft. Voller Zorn warf er den arabischen Staaten vor, jeder denke nur an seine ureigensten Interessen, keiner traue dem anderen über den Weg, jeder beschuldige jeden.

Wieder einmal war auf einer Gipfelkonferenz in Kairo offenkundig geworden, daß die Araber für einen Vernichtungskrieg gegen Israel, den sie seit 17 Jahren propagieren, zu schwach sind. Hauptgrund: ihre Uneinigkeit. Ägyptens beste Truppen – nach Nassers Angaben 50 000 Mann – sind durch den jemenitischen Bürgerkrieg gefesselt; die Armee des Irak führt einen langwierigen Feldzug gegen die Kurden; der Libanon will keine Soldaten anderer arabischer Staaten auf sein Territorium lassen.

Israelische Militärs demonstrierten auf ihre Weise, was sie von der dauernden Kraftmeierei arabischer Agitatoren halten. Mehrere Kommandotrupps drangen während der Kairoer Konferenz in jordanische Grenzorte ein und zerstörten dort Militärlager und Fabrikanlagen. Mit diesen Unternehmungen sollten Überfälle der in Syrien ausgebildeten „Fatah“-Terroristengruppe auf israelische Siedlungen vergolten werden.

Syrien, regiert von der mit Nasser rivalisierenden Baath-Partei, verficht den radikalsten Kurs gegen Israel. Sein Antrag, sofort gegen Israel loszuschlagen, falls es die Ableitung der Jordan-Quellwasser stören wolle, wurde von den anderen Staaten als unrealistisch verworfen.

Ebenfalls ohne Echo blies ein Antrag Schukairis, des Chefs der „Palästinesischen Befreiungsarmee“: Er wollte Tunesien aus der Araber-Liga ausstoßen, weil Staatspräsident Burghiba einen friedlichen Ausgleich mit Israel vorgeschlagen hatte.

Vorerst bleibt es im Nahen Osten beim Status quo: weder Krieg noch Frieden. Um das Jordanwasser brauchen die Israelis auf längere Sicht nicht zu fürchten. Solange das gemeinsame arabische Oberkommando keinen militärischen Schutz vor einem israelischen Präventivschlag garantieren kann, werden sich der Libanon und Syrien hüten, den Israelis das Wasser abzugraben.