Der Treblinka-Prozeß in Düsseldorf – die Angeklagten und ihre Zeugen

E. N., Düsseldorf,

Der „Treblinka“-Prozeß macht keine Schlagzeilen in den Zeitungen. Verteidiger und Ankläger in Düsseldorf operieren anscheinend kühler, als es beim Auschwitz-Prozeß in Frankfurt der Fall ist. Das mag für die Urteilsfindung in einem Verfahren, in dem es um die Ermordung von 700 000 europäischen Juden geht, vielleicht sogar vorteilhaft sein.

In diesem Prozeß kommt zum erstenmal vor einem deutschen Gericht eine Aktion zur Sprache, die an perfider Zielstrebigkeit nichts ihresgleichen hat: die „Aktion Reinhard benannt nach dem ehemaligen SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich; sie war der Deckname für die „Endlösung der Judenfrage“. Das Vernichtungslager Treblinka, östlich von Warschau, das in diesen Monaten Gegenstand der Verhandlung eines Düsseldorfer Schwurgerichtes ist, war das berüchtigte der vier Vernichtungslager, die den hemmungslosen Ablauf dieser Aktion sichern sollten. Maidanek, Belzec und Sobidor waren die drei anderen.

Mit Auschwitz, das außerhalb der „Aktion Reinhard“ blieb, ergibt sich folgender Vergleich: In Auschwitz wurden innerhalb einiger Jahre 2,5 Millionen Menschen umgebracht; in Treblinka waren es in rund 14 Monaten über 700 000. Dieses Lager hatte, anders als Auschwitz, keine Arbeitskräfte zu unterhalten. In seiner Nähe gab es keine Fabriken. Der Tod machte nicht Station. Treblinka hatte nur ein Ziel: sofort zu töten. Mit geringstem Aufwand die höchste Zahl in kürzester Zeit. So war es auch angelegt: auf kleinem Geviert, 400 mal 600 Meter groß, so rationell, daß in drei Stunden rund 6000 Menschen vergast werden konnten.

Groß, von fester Statur

Da stehen sie nun vor ihren Richtern – zehn Angeklagte, Überlebende aus dem Kreis der einst vierzig SS-Angehörigen, die den deutschen Stamm des Lagerpersonals bildeten. Außer ihnen waren dort noch 80 Ukrainer stationiert, die an Brutalität ihren deutschen Spießgesellen gewiß nichts nachgaben.