Von Reimar Lenz

Ein Gespenst geht um in Deutschland: der Geist der Zersetzung. Er zerfrißt Sitte und Anstand, Glaube und Schönheit, Zucht und Ordnung; er nagt an Staat und Gesellschaft und untergräbt die Fundamente des Abendlandes.

Dr. h. c. Franz Josef Strauß hat als erster die Gefahr, die damit allem Schönen, Guten und Wahren droht, in umfassendem Sinne gedeutet. Auf dem diesjährigen Parteitag der CSU sagte er: „Die Geister der Zerstörung und Zersetzung, die Kräfte eines wertneutralen, demokratisch getarnten und kommerziell profitierenden Nihilismus sind überall am Werk ... Es gibt nicht nur eine Unterwelt im Kittel, sondern auch eine im Frack.“

Bei den bösen Geistern der Zersetzung handelt es sich also offenbar um Wesen aus der Unterwelt, die mitten unter uns teils im Kittel (Arbeiterschaft?), teils im Frack (Hamburger Spitzenjournalisten?) ihr Unwesen treiben. War auch die Beschreibung der Tarnkleidung durch den CSU-Vorsitzenden nicht sehr präzise, so stehen seine alarmierenden Mitteilungen über Zersetzer doch nicht allein da.

Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme des Wortgebrauchs sind wir in der Lage, eine erste Übersicht über Zersetzung in der Bundesrepublik zu vermitteln.

Die Tat: Eine Propädeutik der Zersetzung, die sich auf sprachliche Befunde stützt, wird davon ausgehen können, daß erstens das staatsbürgerliche Verantwortungsgefühl und die Wehrkraft, zweitens die sittliche Ordnung dauernd Zersetzungsversuchen ausgesetzt sind.

Die Täter: Nach dem Sprachgebrauch der zersetzungsfeindlichen Kreise wirken „die Intellektuellen“, insbesondere „die Linksintellektuellen“ (alias „heimatlose Linke“), selbstverständlich sodann „die Kommunisten“ zersetzend.