DIE ZEIT

Dialog der Gegner

Die angebliche Ferienreise des amerikanischen Senior-Diplomaten Averell Harriman nach Moskau hat sich als ein unter der Hand arrangiertes und von beiden Seiten sorgfältig vorbereitetes Kontaktmanöver entpuppt.

Es schlägt nicht 113

Am Tage, nachdem Konrad Adenauer auf dem Wirtschaftstag der CDU/CSU in Düsseldorf die Unordnung in den Staatsfinanzen scharf kritisiert hatte, sagte Ludwig Erhard auf der gleichen Veranstaltung, die Regierung werde sorgfältig prüfen, ob sie den Artikel 113 anwenden müsse.

Was ist Tradition?

Zum Thema 20. Juli steht in dem Erlaß des Bundesverteidigungsministeriums über Bundeswehr und Tradition, der gerade eben erschien: "Zuletzt nur noch dem Gewissen verantwortlich haben sich Soldaten im Widerstand gegen Unrecht und Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bis zur letzten Konsequenz bewährt.

Versöhnung mit Vorbehalt

Zur Rechten und zur Linken des Präsidiums saßen in Bukarest die verfeindeten kommunistischen Brüder, gehemmt, aber immerhin nach langer Zeit wieder einmal an einem Tisch: Der erste Sekretär der sowjetischen KP, Breschnew, und der Generalsekretär der chinesischen KP, Teng Hsiao-ping.

Ein leerer Stuhl

So sehr man auch in Bonn bedauert, daß der Stuhl Frankreichs in Brüssel leer ist, so beobachtet man doch mit Interesse, daß nichts darauf hindeutet, er könnte über kurz oder lang hinausgetragen werden.

Castros Gegenpol

Chile ist ein großes Sammelbecken ungelöster Probleme. Aber immerhin wird in diesem Landstreifen zwischen Anden und Pazifik am Horizont doch schon so etwas wie ein Silberstreifen der Reformen sichtbar.

Zeitspiegel

Die Bundesregierung hat es übernommen, einen publizistischen Rechtfertigungsversuch des aus dem Bundestag scheidenden ehemaligen Vertriebenenministers Theodor Oberländer zu finanzieren.

Skepsis, Güte und Humor

Als Reinold von Thadden-Trieglaff, dessen Schwester nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet worden war und der im Krieg drei Söhne verloren hatte, aus einem russischen Gefangenenlager am nördlichen Eismeer zurückkam, war er überzeugt, die Stunde der Erneuerung der Kirche sei gekommen.

Die Mächtigen und unsere Freiheit

Ein Wähler kann sich aus mancherlei Gründen für eine Partei entscheiden. Die Sorge um Wohlstand und soziale Sicherheit mag den einen bestimmen, eine Partei zu wählen.

Ein König spielt hoch

Nirgendwo sonst in Europa können große Worte noch Großes bewirken – außer in Griechenland. Georgios Papandreou hat den "Feinden der Demokratie" einen "unbarmherzigen Kampf" angedroht.

Pyrrhus-Sieg der Kirche

Lehren aus dem niedersächsischen Konkordat / Von einem prominenten Protestanten

Wolfgang Ebert:: Wut zur Wahl

Von Natur ist er gar nicht so. So grob, so unbeherrscht, so aufbrausend. Wehner und Strauß tun sich da leichter. Sollte das der echte Erhard sein – entsetzlich wäre das.

Auch ohne Paris und Peking

Am 27. Juli werden in Genf wieder Abrüstungsverhandlungen beginnen. Der Leiter der amerikanischen Regierungsbehörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung, William C.

Unbewältigtes

Ich will verhindern helfen, daß die noch freie Welt ahnungslos oder aus Geistesfaulheit einem anderen Hitler verfalle." Ein nicht gerade bescheidenes Unterfangen, dem sich der unbekannte Verfasser unter einem beziehungsreichen Pseudonym unterzieht und dem er durch Schilderung seiner Erlebnisse als bekennender Jungkatholik in der Hitlerdiktatur gerecht zu werden versucht.

Der Diplomat Pacelli

Dieter Albrecht (Herausgeber): Der Notenwechsel zwischen dem Heiligen Stuhl und der Deutschen Reichsregierung, Band I: Von der Ratifizierung des Reichskonkordates bis zur Enzyklika "Mit brennender Sorge" (erste Veröffentlichung der Kommission für Zeitgeschichte bei der Katholischen Akademie in Bayern; Verlag Matthias Grunewald, Mainz; 459 Seiten, 45,– DM.

Sitten-Hygiene

Die Kölner sind in etwas hineingetreten: Mit allen Zeichen der Bestürzung gab die SPD-Fraktion in der vergangenen Woche bekannt, daß die Stadt Köln – als einzige Stadt Deutschlands – Mitglied des"Volkswartbundes e.

Deutscher als die Deutschen

Der kleine Mann auf der Anklagebank des Moabiter Landgerichts, ein noch junger Verleger namens Lothar Brenner, hat eine Atempause gewonnen.

Mögliches Mosaik

Am vierzehnten Juli wurde die des Raubmordes an der Zahnarztwitwe Moser angeklagte Tschechin Eva Maria Mariotti vom Schwurgericht in Hamburg wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.

Ist Bier unakademisch?

Hochverehrte Magnifizenz" und "mit dem Ausdruck unserer ausgezeichneten Hochachtung" schrieb Jürgen Obertreis, Student der Rechte und Chef des Lokalkomitees des Weltstudentendienstes (World University Service) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn am 1.

Alter Kämpfer

Die Traueranzeige ist ungewöhnlich. Die Internationale Grotius-Stiftung zur Verbreitung des Völkerrechts trauert um "Grotianer".

Namen der Woche

Syngman Rhee, ehemaliger Präsident Südkoreas, ist im Exil auf Hawaii im Alter von 90 Jahren gestorben. Zwölf Jahre lang hatte er sein Land mit harter Hand und wenig demokratischen Methoden regiert; 1960 mußte er zurücktreten.

"Regierung der Verräter"

Die griechische Krise hat sich zu einer Kraftprobe zwischen König Konstantin und dem früheren Regierungschef Papandreou entwickelt.

Von ZEIT zu ZEIT

Die Haldenbestände im westdeutschen Steinkohlenbergbau überschritten die Höhe von 15 Millionen Tonnen. Die neue saarländische Regierung wurdegegenüber dem letzten Sechs-Mann-Kabinett auf acht Minister erweitert.

Spionage oder Irrtum?

Frankreich hat die USA der Luftspionage beschuldigt. Die französische Regierung protestierte beim amerikanischen Botschafter in Paris: Ein Aufklärungsflugzeug der US-Luftwaffe habe die Atomanlagen in Pierrelatte (Rhonetal) überflogen und photographiert.

Eine Milliarde für die Kirche

Nach einer Schätzung des Bundesverfassungsgerichts erhalten die Kirchen in der Bundesrepublik pro Jahr über eine Milliarde Mark aus Steuereinnahmen.

"Vor uns liegen dunkle Tage"

Die USA bereiten sich auf einen großen konventionellen Krieg in Südvietnam vor. Präsident Johnson erklärte: "Vor uns liegen dunkle Tage.

Offene Herzen und offene Taschen

Freundlich begrüßt und hochgeehrt wurde bei seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik der Präsident der Republik Chile, Eduardo Frei.

Schnellweg nach Italien

Die benachbarten Bergmassive waren von Patrouillen nach verdächtigen Personen durchkämmt worden. Am Freitag, 11.06 Uhr, war es soweit: Die Staatspräsidenten Frankreichs und Italiens konnten die Bänder durchschneiden, de Gaulle ein grün-weiß-rotes, Saragat ein blau-weißrotes.

Antisemitismus in London

Auch England, das Musterland der Demokratie, hat mit rassischen Vorurteilen zu kämpfen. Nach einer Welle von antisemitischen Ausschreitungen wurde in London eine Bürgerwehr gebildet.

Die Freiheit an der Freien Universität

Der "Fall Krippendorff", über den die ZEIT mehrfach berichtete, hat die Westberliner Freie Universität unversehens in die schwerste Krise ihres siebzehnjährigen Bestehens gestürzt.

Kleiner Kunstkalender

Speziell für die Hölle kann Dali sich aus seinem eigenen surrealistischen Arsenal das Gewünschte herausholen und seiner pathologischen Phantasie den freiesten Lauf lassen.

Zeitmosaik

Die sogenannte akademische Freiheit ist ein Überbleibsel falscher Begriffe, sie paßt auf die Bedürfnisse der heutigen Zeit ohnehin gar nicht.

Die neue Schallplatte

Heinrich Heine, in seiner Pariser Rolle als Musikfeuilletonist, nannte das Stück "ein bizarres Nachtstück, das nur zuweilen erhellt wird von einer sentimentalen Weiberrobe, die darin hin- und herflattert, oder von einem schwefelgelben Blitz der Ironie".

Proben gegen den Kalender

Zwischen zwei Proben eine Gelegenheit für ein Gespräch: über das diesjährige Ensemble; wie es zustande kam; daß eine bewährte Stamm-Mannschaft mit jungen Kräften, vor allem Amerikanern, durchmischt wurde; wie man es erreicht, Darsteller verschiedenster künstlerischer Provenienz in eine Grundkonzeption ganz bestimmten stilistischer Eigenart einzubauen.

BERLIN

In Berlin ist das Ende des dreigliedrigen Schulsystems nahe herbeigekommen. Das innere Modell einer Gesamtschule ist so gut wie fertig, das äußere – von Walter Gropius entworfen – steht, in schneeweißem Gips, zur öffentlichen Diskussion.

Umsichtiger Brecht

Bert Brecht hat, wie die Züricher "Tat" meldet, die 16 000 Rubel, die er in Form des Stalinpreises im vergangenen Jahr erhalten hat, bei einer Schweizer Bank deponiert.

Ein Symptom wird verboten

Nach einem Beschluß der Rektorenkonferenz soll die Studiendauer künftig beschränkt werden

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT in der Hauptsache kurzgefaßte "Profile" von über neunhundert bundesrepublikanischen, österreichischen und Schweizer Verlagshäusern: jeweils Adresse, Bankverbindung, Rechtsform, Inhaber oder Leiter (häufig mit Kurzbiographien), Verlagsgeschichte, Hauptautoren, Hauptwerke, Verlagsgebiete, Signet.

Die Welt – unsere Halluzination

Es ist eine verbreitete Unsitte im deutschen Verlagswesen, bei Übersetzungen ausländischer Bücher unter einem gleichen Titel andere Zusammenstellungen anzubieten.

Requiem für das andere Spanien

Im spanischen Bürgerkrieg hat Ramón José Sender als Soldat und Journalist für die, Republik gekämpft. Die Folge war, daß er 1937 auf den letzten Seiten eines Berichts über das erste Kriegsjahr schreiben mußte: "Nach der Festnahme brachten sie ihr einen Priester, der ihr die Beichte abnahm; dann führte man sie auf den Friedhof.

Theater

Brechts "Puntila" befindet sich auf dem Wege, in der Bühnenpraxis das zu werden, was der Untertitel von ihm fordert: ein "Volksstück".

Fernsehen: Der Zauberer

Eine alte Jahresuhr rückte ins Bild; das Torsionspendel drehte sich mit akkurater Regelmäßigkeit; der Zauberer schrieb. Im Aschenbecher schwelte eine der geliebten Papirossi; das Haar des Sitzenden, etwas schütter schon, war bedachtsam gekämmt: Man hatte, in der Art von Krull und Thomas Buddenbrook, sorgfältig Toilette gemacht.

Montag, 19. Juli, das Nachtprogramm:: Realistische Elemente

Daß die Vorstellung, die Musikgeschichte sei eine ständige Qualifizierung vom Primitiven zum Hochentwickelten, das weiter Zurückliegende also sei von minderer Qualität als das Spätere, daß dieser Irrtum noch immer nicht ausgestorben ist, ja, daß ausgerechnet die musikalische Avantgarde ihm verfallen blieb, macht schlicht gesprochen erstaunen.

Wenn Hallstein geht...

Die Entscheidungen über die Zukunft des Gemeinsamen Marktes werden erst im Herbst fallen

Unnötig

Das Werben der Parteien um den sogenannten Mittelstand nimmt kein Ende. Dieses Mal ist es die SPD, die jener sozialen Schicht um den Bart geht, unter der heute beinahe schon Jedermann verstanden wird, vom gutverdienenden Lohn- und Gehaltsempfänger über die freien Berufe bis zum mittleren Wirtschaftsunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten.

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