Auf den Terrassen der Eigenheime wächst Gras zwischen den Steinen. Hinter den verstaubten Fensterscheiben gähnt die Leere. Die Haustüren sind verschlossen. In den Gärten wuchert Unkraut.

Die Häuser stehen in Poppenbüttel, einem grünen Villenviertel Hamburgs am Oberlauf der Alster. Sie stehen in Quickborn, der schleswigholsteinischen Kleinstadt, die in den letzten Jahren ein „grünes Schlafzimmer“ der Hansestadt geworden ist. Sie stehen in Reinbek, dem neuen Wohngebiet am Sachsenwald.

Es sind Eigenheime, die von großen Baugesellschaften „auf Vorrat“ gebaut worden sind und die nun leerstehen, weil sich nur schwer Käufer finden. Ein gut informierter Makler schätzt, daß allein im Hamburger Raum in diesem Jahr etwa 5000 Eigenheime und Eigentumswohnungen angeboten werden. „Und ich zweifle stark, daß die alle verkauft werden.“ Bei einem Durchschnittspreis von rund 100 000 Mark geht es dabei um Investitionen on 500 Millionen Mark, die zumindest für einige Zeit festliegen. Eine Fehlinvestition?

Der Marktumschwung ist nicht mehr zu leugnen. „Früher waren Eigenheime Selbstgänger“, heißt es in der Verkaufsabteilung der Bewobau, einem Hamburger Wohnungsbauunternehmen. „Heute muß man sich schon anstrengen, Eigenheime verkaufen zu können.“ Das Unternehmen ließ sich einen besonderen Werbegag einfallen: Volkswagen dazu.

Nun hat sich die Bewobau allerdings auch auf ein besonders riskantes Projekt eingelassen. Sie ließ sich von dem berühmten – Architekten Neutra Häuser für den Luxusbedarf entwerfen, die zwischen 160 000 und 250 000 Mark kosten. Von den 42 Häusern der Siedlung Walldorf bei Frankfurt wurden in eineinhalb Jahren 30 verkauft, von 67 Eigenheimen in Quickborn in einem Jahr 23. Wenn daher heute Interessenten kommen, die Kaufmieten oder einfach Mietverträge anbieten, so werden sie ein offenes Ohr finden.

„Die Häuser sind nicht zu teuer“, sagt man bei der Bewobau, und rechnet vor, daß der Kaufpreis von durchschnittlich 1600 Mark pro Quadratmeter Wohnfläche unter dem anderer Angebote in Hamburg liegt – vom Snob-Appeal des Namens Neutra einmal abgesehen. Aber: „Die Preisentwicklung ist eben dem Preisdenken der Interessenten davongelaufen.“

Übrigens brachte das Volkswagen-Angebot zwar viele Sehleute in die Neutra-Siedlung. Von den Käufern hat jedoch keiner das Auto genommen; eine zusätzliche Sonderausstattung des Hauses oder ein Preisnachlaß war ihnen lieber.