DIE ZEIT

Die FDP muckt auf

Die Bonner Koalitionspartner sind ihrer alten Gewohnheit auch im Wahlkampf treu geblieben: Sie streiten sich wieder. Den Anlaß lieferte diesmal ein Wahlinserat der FDP, auf dem ein’leerer Stuhl abgebildet war, der symbolisieren soll, daß Freie Demokraten nicht am Ministersessel kleben.

Ein Pole in Paris

Frankreich erwartet bis Jahresende den letzten Gast in der Reihe der offiziellen Besuche aus den kommunistischen Staaten Osteuropas, der noch fehlte: den polnischen Ministerpräsidenten Cyrankiewicz.

Ist der Wohlstand in Gefahr?

Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt, befinden wir uns wirtschaftlich schon auf der schiefen Bahn? Diese Frage drängt sich auf, wenn man die Entwicklung des deutschen Außenhandels in den letzten Monaten analysiert.

Empfang in Israel

In Israel haben 2000 Jugendliche gegen Rolf Pauls, den neuernannten Botschafter der Bundesrepublik, demonstriert, weil er im Zweiten Weltkrieg – in Hitlers Krieg – gekämpft und einen Arm verloren hat.

Eskalation – wohin?

Der Krieg in den Dschungeln von Vietnam ist jetzt ganz zu einem amerikanischen – und damit zu einem großen Krieg geworden. Präsident Johnson hat, nach langen Erörterungen mit seinen Beratern und mit nahezu allen amerikanischen Politikern von Gewicht, beschlossen, die stärkste Kriegsmaschinerie der Welt einzusetzen.

Zeitspiegel

Die der CSU nahestehende "Demokratisch Konservative Korrespondenz" hat in einer privaten Meinungsumfrage ermittelt, daß viele CSU-Mitglieder und -Anhänger eine Rückkehr ihres Vorsitzenden in das Kabinett nicht wünschen.

Ehrenwert, doch ohne Erfahrung

Die übliche Befragung vor dem außenpolitischen Senatsausschuß dauerte nur vierzig Minuten, und die Zustimmung des Plenums zu seiner Berufung erfolgte einmütig und ohne Aussprache: Niemand hatte etwas gegen die Ernennung von Arthur Joseph Goldberg zum neuen Leiter der ständigen amerikanischen Abordnung bei den Vereinten Nationen in New York einzuwenden.

Der Monarch und der Märtyrer

Ein Schleier aus Staub und flimmernder Hitze liegt über Athen, im Hintergrund steht fahl die Hymettos-Kette. Die Macchia ist verdorrt um diese Jahreszeit; ein Funke genügt, um ganze Ginsterhänge in ein prasselndes Flammenmeer zu verwandeln.

Kirchenreform – aber wie?

Mit Reformen steht es in Deutschland nicht zum besten. Entweder werden sie als Ausdruck selbstzerstörerischer Verdrossenheit abgetan oder sie werden zur Sehnsucht nach einer menschheitlichen Totalerneuerung übersteigert.

Die Geheimniskrämerei des Ministers

Bundesverteidigungsminister von Hassel ist es erspart geblieben, wegen der Funktionsfähigkeit und Kosten des Starfighters noch in dieser Legislaturperiode hochnotpeinlich befragt zu werden.

"Der beste Führer der Opposition"

Die konservative Fraktion hat sich – wenn auch nur mit einer knappen Mehrheit – für Edward Heath entschieden und nicht für Reginald Maudling.

Wolfgang Ebert:: Die Mirs-Menschen

Teufelskerle, diese Amerikaner! In der Weltraumforschung kommt ihnen keiner gleich. Selbst die Russen müssen bei diesem neuen Erfolg vor Neid erblassen.

Kaisens Nachfolger

Die Glückwünsche nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen und damit zum Nachfolger Wilhelm Kaisens nahm Bürgermeister Willy Dehnkamp gern entgegen; denn Glück brauche er bei seiner Aufgabe bei aller Bereitschaft, die gediegene Regierungspolitik seines Vorgängers fortzusetzen.

Dorf und Weltstadt

Seit Roms Tausendjahrfeier 248 n. Chr. ist es in der Welt Mode geworden, gerade und schließlich sogar krumme Daten zu feiern.

Von einem, der auszog...

Unruhe ist die erste Bürgerpflicht, meinte Dietrich Kittner, Chef des hannoverschen Kabaretts "Die Leid-Artikler". Beunruhigt war er über die Luftschutz- und Notstandsgesetzgebung.

Öl aufs Wasser

Die Olympia-Straße hat ihren Namen von den Olympischen Winterspielen 1936, denn auf ihr war der Austragungsort Garmisch-Partenkirchen am schnellsten von der Hauptstadt der Bewegung", von München aus, zu erreichen.

"Chirurgischer Eingriff"

Jugoslawien führt eine radikale Währungsreform durch. Für einen US-Dollar erhält man künftig 1250 Dinar (bisher 750 Dinar). Für eine Deutsche Mark kann man 312,50 Dinar bisher 187) eintauschen.

Präsident Ayub zieht vom Leder

Pakistan; das vor wenigen Jahren noch als der treueste und bequemste Bündnispartner der USA in Asien galt, hat sich Washington immer mehr entfremdet.

Namen der Woche

William Beattie, 23jähriger Führer einer neonazistischen Gruppe in Kanada, wurde mit sieben seiner Anhänger von der Polizei in Toronto festgenommen.

Von ZEIT zu ZEIT

Zum erstenmal wurde in der Nähe von Hanoi ein amerikanisches Flugzeug neuester Bauart von einer russischen Rakete abgeschossen.

Auf nationalem Kurs

"Schweigende Koexistenz" demonstrierten der sowjetische Parteichef Breschnew und der Generalsekretär der chinesischen KP, Teng Hsiao-ping in Bukarest.

Muß Novas zurücktreten?

Der Generalstreik, den die griechischen Gewerkschaften für Dienstag ausgerufen hatten, erwies sich als Fehlschlag. Der Streik sollte eine Protestaktion gegen die Regierung Novas sein, aber in Athen und in Saloniki arbeiteten die meisten Fabriken und Werften normal, die Versorgungsbetriebe funktionierten, 70 Prozent der städtischen Omnibusse in Athen verkehrten wie gewohnt.

Präsident nach Wunsch

Das Resultat war von vornherein nicht zweifelhaft: Mit überwältigender Mehrheit (556 gegen 13 Stimmen) wurde der bisherige Präsident von Portugal, Américo Deus Rodriguez Thomaz, für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt.

Koalitionszwist in Bonn

FDP und CDU/CSU streiten sich über die Wahlkampfmethoden. Die CDU/CSU forderte die Freien Demokraten auf, sie sollten sich entscheiden, ob sie ihren Wahlkampf gegen die Union führen oder die gemeinsamen Leistungen der Koalition verteidigen wollten.

"Links von der CDU"

Zwei Monate vor der Bundestagswahl hat sich eine neue Partei konstituiert. Die Christliche Volkspartei (CVP) hat am Wochenende in Köln ihr Programm verabschiedet und einen geschäftsführenden Vorstand gewählt.

Die Worte des Kanzlers

Heute von entarteter Kunst zu sprechen, Herr Erhard, heißt allen, die während der Nazizeit litten, abermals ins Gesicht zu schlagen.

Die hoffentlich produktive Unruhe

Gert von Eynern ist ordentlicher Professor für Politische Wirtschaftslehre an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität; sein Arbeitsfeld ist das Otto-Suhr-Institut.

Die neue Schallplatte

WER heute "Bruckner" sagt, meint immer noch seine Sinfonien. Vergeblich auch forschte die Wissenschaft nach dem, was den Organisten Bruckner so berühmt machte; er improvisierte das meiste, schrieb kaum etwas nieder.

Zeitmosaik

Man trifft Misgewächse von Staatsmännern, die dafür halten: Es sey auch wohl in Republiken besser, daß man ein dummes und unwissendes als ein aufgeklärtes und gesittetes Volk unter sich habe.

Kleiner Kunstkalender

Masson ist viel weniger scharf umrissen und weniger einprägsam als seine Freunde aus der Ecole de Paris, denen er immer nur auf kurzer Strecke nahestand: Juan Gris, Léger, Max Ernst, Picasso (um 1930), Mirò.

Hemmungen

Die Hochschulen haben in Deutschland immer noch gewisse Hemmungen, ihre Lebensfragen vor der Öffentlichkeit darzustellen. Ihre finanzielle Mündigkeit, ihre Selbstverwaltung ist keine interne Angelegenheit.

NORDRHEIN-WESTFALEN

Kultusminister Dr. Paul Mikat ist Inhaber des Ordens "Wider den tierischen Ernst". Diese höchste Auszeichnung rheinischer Karnevalsgaudi hat er sehr wohl verdient.

Die Gestalt aus Phantasie

Kann ein Verleger heute noch am "jüngsten Tag" der Dichtung anfangen? Ist das Wagnis, einen neuen Verlag ins Leben zu rufen, nicht so groß, daß es das zusätzliche Risiko der jüngsten Literatur nicht verträgt? Ein Blick auf die ersten sechs Bücher des Verlages Klaus Wagenbach scheint solche Bedenken zu bestätigen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT rund fünfhundert nach ihren Ursprungsländern geordnete Witze, fast einhundertvierzig Witzzeichnungen aus dem vorigen und diesem Jahrhundert, ein Vorwort von Werner Finck und ein Nachwort der Herausgeber mit dem würdigen Titel: "Der Witz als geistige Waffe.

Die Heiligsprechung de Gaulles

Leute, die das Gras im Park des Elysee-Palastes zu Paris wachsen hören, behaupten, François Mauriacs Verherrlichung de Gaulles habe beim Hauptbetroffenen olympisches Stirnrunzeln hervorgerufen.

Das Denken des "Entweder-Oder"

Unter den mannigfachen Zwängen, unter denen Deutschlands Musenpracht, Sektion Universität, laboriert, ist neben dem Administrieren, Repräsentieren, der Kongreßteilnahme und ähnlichem der wohl der unbekömmlichste, der jeden Ordinarius, der auf sich hält, zwingt, periodisch Bücher auszustoßen.

Fernsehen: Ein UFA-Propst

Prälat Bernhard Lichtenberg, Dompropst zu St. Hedwig, Berlin, dessen Name auf der ersten Seite des Hochhuthschen "Stellvertreters" steht, war, von braunen Schergen umgeben, ein einsamer Mann.

Funk: Varese, Ives und Satie

Vom Symphonie-Orchester des BayerischenRundfunks hörte man ein Konzert mit drei Werken, die in ihrer individuellen Verschiedenheit den ganzen weiten und etwas nebulosen Begriff "Neue Musik" illustrierten.

Theater

Im klassischen Festspiel-Dreieck Bayreuth-Salzburg–München setzen die Münchner Opernfestspiele nicht nur am frühesten ein; sie unterscheiden sich von jenen ad hoc gebildeten Unternehmen auch durch einen Spielplan, der das Jahresfazit eines ständigen Opernhauses zieht.

Häuser – schwer zu verkaufen

Die Häuser stehen in Poppenbüttel, einem grünen Villenviertel Hamburgs am Oberlauf der Alster. Sie stehen in Quickborn, der schleswigholsteinischen Kleinstadt, die in den letzten Jahren ein "grünes Schlafzimmer" der Hansestadt geworden ist.

Alles Öl dieser Welt

Solange Öl aus der Erde gefördert wird, beschäftigt die Menschen die Frage: wie lange werden die Vorräte reichen? Pessimistische Prognosen wurden in der Vergangenheit immer wieder Lügen gestraft.

Geduld – nicht Kniefall

Ich habe keinen Vorgänger...", das antwortete de Gaulle einmal voller Selbstbewußtsein, als von einem früheren Präsidenten der französischen Republik die Rede gewesen war.

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