Drei Monate haben der Bundeswirtschaftsminister und seine Getreuen geduldig verhandelt. Am vergangenen Wochenende wurde das Ergebnis ihrer Bemühungen in einem Kommuniqué verkündet: "Die Großunternehmen des Einzelhandels haben erklärt, daß sie bis zum 1. Januar 1968 ihre Geschäftstätigkeit grundsätzlich nicht auf neue Plätze unter 200 000 Einwohner ausdehnen wollen."

Eigentlich hatte niemand mehr so recht daran geglaubt, daß der freiwillige "Expansionsstopp" unter Dach und Fach gebracht werden würde. Die Gespräche waren lange Zeit nicht von der Stelle gekommen; und gar zu widerspruchsvoll erschien, was darüber an die Öffentlichkeit drang.

Während die vier eingesessenen Warenhauskonzerne – Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten – noch halbwegs Neigung zeigten, nach dem Wunsche Kurt Schmückers bei ihren "Expansionsüberlegungen auf die wirtschaftlichen, soziologischen und politischen Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen", ließen sich die anderen Großbetriebe nur schwer davon überzeugen.

Das lag weniger daran, daß diese in Sachen Selbstbeschränkung noch über keine Erfahrung verfügten; bei dem ersten Versuch dieser Art vor vier Jahren – man stand auch damals vor einer Bundestagswahl – waren nur die Großen Vier dazu aufgefordert worden. Das Ja-Sagen fiel und fällt ihnen deswegen schwer, weil die meisten von ihnen gerade erst dabei sind, im Warenhausgeschäft Fuß zu fassen. Und welcher vernünftige Kaufmann ist schon gern bereit, wirtschaftlich sinnvolle und notwendige Expansionspläne politischen Zielen zu opfern.

Verheißt des Wirtschaftsministers Erfolgsmeldung nun die Wende? Kommt es tatsächlich zu einem Expansionsstopp, der es den 420 000 klein- und mittelständischen Händlern erlaubt, etwas von dem Vorsprung der mächtigen Konkurrenz aufzuholen?

Schon eine kurze Prüfung der Zusagen zeigt, daß davon keine Rede sein kann. Denn die Großen haben sich nicht verpflichtet, zurückzustecken. Investitionsbegrenzungen standen nie zur Diskussion.

Wohl haben sie mehr oder weniger freiwillig und mehr oder weniger verbindlich versprochen, in Städten unter 200 000 Einwohnern, in denen sie noch nicht vertreten sind, in den nächsten zweieinhalb Jahren keine neuen Filialen zu errichten. Bereits geplante Vorhaben sind jedoch davon ausgenommen, jedenfalls soweit vertragliche Bindungen bestehen. Bedenkt man, daß von den ersten Grundstücksverhandlungen bis zur Geschäftseröffnung oft mehr als zwei Jahre vergehen, fällt die Voraussage nicht schwer, daß in den nächsten 24 Monaten kein Waren- oder Kaufhaus weniger errichtet werden wird als ohne diese Vereinbarung.