Im Januar 1966 wird die Hamburger Hochbahn AG, Hamburg, ihr Kapital um 41 auf 110,035 Millionen Mark erhöhen. Den sogenannten A-Aktionären (ihre Papiere werden an der Börse gehandelt) wird ein Bezugsrecht im Verhältnis 1:1 angeboten, der Ausgabekurs der jungen Aktien beträgt 100 Prozent. Das C-Kapital wird um knapp 5 Millionen Mark aufgestockt, es befindet sich – genau wie die B-Aktien – voll im Besitz der Hansestadt Hamburg, die in den letzten Jahren ihren Anteil am Gesamtkapital der Hochbahn bis auf 76 Prozent vergrößert hat.

Hamburgs freiwillig zurückgetretenem Bürgermeister Dr. Paul Nevermann fiel als zur Hauptversammlung noch amtierender Aufsichtsratsvorsitzender die nicht gerade angenehme Aufgabe zu, die Konditionen der Kapitalerhöhung der Hauptversammlung zu begründen. Da die alten Aktien zur Zeit zum Kurs von etwa 96 Prozent gehandelt werden, für die jungen Aktien aber im Januar 1966 genau 100 Prozent gezahlt werden müssen, würden die freien Aktionäre gegen ihr eigenes Interesse handeln, wenn sie die jungen Aktien beziehen würden. Das bedeutet, daß die Hansestadt Hamburg die jungen Aktien mehr oder weniger geschlossen übernehmen muß, falls sich die Börsensituation und damit der Hochbahn-Kurs bis zum Jahresende nicht entscheidend bessert. Damit würde der Anteil des Streubesitzes am Hochbahn-Kapital auf 10 Prozent zurückgehen. "Eine kalte Sozialisierung", so wurde dem Senat vorgeworfen. Nevermann wies diesen Vorwurf zurück und beteuerte, daß der Senat – angesichts der knappen Staatskasse – es im Gegenteil begrüßen würde, wenn möglichst viele junge Aktien im Publikum placiert werden könnten.

Wenn dem Senat aber damit tatsächlich ernst ist, muß er sich das etwas kosten lassen. Die 5prozentige Dividendengarantie auf die A-Aktien ist heute nicht mehr zeitgemäß. Natürlich ist die Gesellschaft, deren Tarife von der Bürgerschaft gebilligt werden müssen, nicht in der Lage, höhere Dividenden zu erwirtschaften. Ihr eigener Beitrag zur Dividende für 1964 besteht nur in 2 1/2 Prozent, die anderen 2 1/2 Prozent muß die Stadt zuschießen. Aber der Senat sollte sich überlegen, ob es nicht billiger ist, die Dividendenzahlungen auf 6 Prozent zu erhöhen und damit die Chance zu bekommen, Hochbahn-Aktien auf dem freien Markt loszuwerden. Billigeres Geld kann er sonst nirgends bekommen.

Allerdings ist die Hochbahn-Dividende in Hamburg ein Politikum. Dem Wählervolk war es seit jeher schwer klarzumachen, daß die Hochbahn-Aktionäre überhaupt noch Dividende erhalten, während es in zwar weiten, aber regelmäßigen Abständen höhere Fahrpreise zahlen muß. Deshalb scheinen die Aussichten auf eine zeitgemäße Verzinsung ihres Aktienkapitals für die freien Aktionäre gleich Null zu sein. K. W.