"Die Dame mit dem Hündchen" (UdSSR, Verleih: Neue Filmform): Das literarische Genre in der sowjetischen Filmkunst, das auf eine alte Tradition zurückblicken kann, ist mit diesem Film des Regie-Veteranen Jossif Cheifiz um eine bedeutsame, ja meisterhafte Leistung bereichert worden. Cheifiz verfilmte eine der bekanntesten Kurzgeschichten Anton Tschechows. In der Sommerfrische von Jalta begegnen sich Gurow, ein auf Urlaub weilender Moskauer Beamter, und Anna, die "Dame mit dem Hündchen". Sie entdecken ihre Liebe zueinander; doch beide sind verheiratet. So fassen sie den bitteren Entschluß, sich zu trennen. Doch dieser Entschluß ist auf die Dauer undurchführbar. Das Ende des Films bleibt offen: Anna und Gurow sind nicht bereit, auf ihre Liebe zu verzichten, wollen aber auch nicht mehr unter dem Druck der Lüge weiterleben. Cheifiz bemüht sich mit Erfolg, ein filmisches Äquivalent zum Tschechowschen Erzählstil zu finden. Die Handlung läuft mit extremer Langsamkeit ab, in einem oft stilisierten, fast theaterhaften Dekor. Viel authentisches Zeitkolorit ist in die Hintergrundsschilderung eingegangen; dennoch ist jede Kameraeinstellung durchdrungen von einer unmerklichen Melancholie, die sich wie ein durchsichtiger Nebelschleier über Gegenstände und Personen legt, so scharf diese auch immer festgehalten sind. Jedes Bild, jede Szene des Films erhält durch die besondere Sensibilität von Regie und Photographie einen unmittelbaren Bezug zum Drama der Protagonisten. Hinter der äußeren Verhaltenheit im Spiel der Hauptdarsteller Ja Sawwina und Alexej Batalow spürt man die Leidenschaftlichkeit und das Aufbegehren gegen die Fesseln ihres Daseins. Und in den langen, zumeist kaum bewegten und doch von innerer Spannung erfüllten Bildeinstellungen, die der Film bevorzugt, werden das Schweigen und die Ereignislosigkeit zu dramatischen Triebkräften. U. G.