Neue Berichte über Mißhandlungen von Häftlingen

Zum zweiten Male innerhalb weniger Wochen schockierte selbst Anhänger des Verwoerd-Systems ein Bericht über die Zustände in den südafrikanischen Gefängnissen. Die "Johannesburg Sunday Times" veröffentlichte die eidesstattliche Erklärung eines Gefängniswärters: Häftlinge würden mit elektrischen Schocks gefoltert.

Die verantwortlichen Redakteure der Zeitung riskierten mit dem Abdruck dieser Enthüllung viel. Denn ein Gesetz bedroht "Falschinformationen" über die Situation in den Gefängnissen mit harten Strafen.

Seit dieses Gesetz vor sechs Jahren verabschiedet wurde, hatte kein südafrikanischer Journalist gewagt, Berichte über die Behandlung von politischen Gefangenen zu veröffentlichen. Das Schweigen brach vor einigen Wochen "The Rand Daily Mail". In drei Fortsetzungen berichtete das Blatt nach sorgfältigen Recherchen über Mißhandlungen von Häftlingen. Die schlimmsten Beispiele unmenschlicher Behandlung, die dem Reporter Harold Strachan bekanntgeworden waren, verschwieg er freilich – weil, wie er schrieb, sie entweder nicht eindeutig zu beweisen waren, oder aber "so furchtbar waren, daß ihre Veröffentlichung gegen den guten Geschmack verstoßen" hätte. Verwoerds Justizminister Balthasar J. Vorster setzte nicht, wie gefordert, eine Untersuchungskommission ein, sondern schickte die Polizei in die Redaktion der Zeitung. Strachan erhielt Berufsverbot und verdient seinen Lebensunterhalt jetzt mit Keramik-Entwürfen.

Entstalinisierung

Der tschechische Staatsverlag veröffentlichte die Memoiren des früheren Außenministers Vladimir Clementis unter dem Titel "Unvollendete Chronik". Clementis war nach einem Schauprozeß im Jahre 1952, in dem ihm "bourgeoiser Nationalismus" vorgeworfen worden war, zusammen mit dem ehemaligen Parteichef Slanski und anderen führenden kommunistischen Funktionären hingerichtet worden. Der Sender Prag kommentierte jetzt das Erscheinen der Lebenserinnerungen: "Wir müssen uns schämen, wenn wir dieses Buch lesen." Der Band sei "angesichts des Schicksals des Verfassers ein außerordentliches Zeugnis für den Charakter unserer Vergangenheit und der damaligen Zeitgenossen".

Clementis wurde erst vor zwei Jahren rehabilitiert. Das Vorwort zu seinen Erinnerungen schrieb der bekannte slowakische Dichter Laco Novomesky, der als "Parteifeind" zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, 1963 rehabilitiert wurde, aber in den vergangenen Monaten wiederholt in offene Auseinandersetzungen mit der Prager Parteiführung geriet.