Vier Beamte verlassen Hoogens Amt

Von Theodor Eschenburg

Der Wehrbeauftragte Hoogen, der seit anderthalb Jahren im Amt ist, wurde binnen drei Tagen durch die Versetzungsgesuche von vier seiner insgesamt neun höheren Beamten überrascht. Die Dienststelle zu verlassen begehrten Ministerialrat Engst, der Leitende Beamte, Regierungsdirektor Hubatsch, sowie die Regierungsräte Vogel und Fischer.

Engst beantragte, seine Versetzung, weil, wie er angab, tiefe Wesensverschiedenheiten zwischen ihm und dem Wehrbeauftragten eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr möglich erscheinen ließen. Dieser, lapidaren Feststellung und dem Antrag war aber merkwürdigerweise keine Aussprache mit Hoogen vorausgegangen. Die anderen Beamten haben übereinstimmend "schlechtes Betriebsklima" als Grund für ihr Versetzungsgesuch angegeben. Aber auch von ihnen hatte keiner zuvor bei dem Wehrbeauftragten oder bei dessen Dienstvorgesetztem, dem Bundestagspräsidenten Gerstenmaier, der zugleich Dienstherr der Behörde ist, Beschwerde vorgebracht.

Fischer hat zwei Stunden, nachdem ihm die Ernennungsurkunde zum Regierungsrat ausgehändigt war, seine Versetzung beantragt. Dem Assessor Fischer war von Heye,dem Vorgänger Hoogens, der ihn eingestellt hatte, die Beförderung zugesagt worden, obwohl er erst kurz im Dienst war. Rechtlich hätte sie ihm nur in Aussicht gestellt werden können. Da Fischer inzwischen zur Ausbildung an eine mittlere Bundeswehrbehörde abgeordnet worden war und erst vor kurzem ins Amt zurückkehrte, konnte ihn Hoogen kaum genügend kennen, um ihn wirklich zu beurteilen. Aber der gutmütige Rheinländer und administrative Anfänger hat dem unablässigen Drängen Fischers auf vielleicht nicht vorzeitige, aber zumindest höchst frühzeitige Beförderung nachgegeben – eine Gefälligkeitsschwäche, die sich sofort gerächt hat.

Engst, der die Dienststelle mit eingerichtet hatte, erfreute sich anscheinend einer starken Autorität bei seinen Beamten. Er war im Krieg Major gewesen, hatte Jura studiert, beide Staatsexamina bestanden – eine nicht unbeachtliche Leistung – und war dann Rechtsanwalt und CDU-Kreisgeschäftsführer in Biberach geworden.

Ehrgeiz und Intrigen