• "Romantiker und Realisten" (Karlsruhe, Badischer Kunstverein): Die Ausstellung will, zum 250. Geburtstag der Stadt und einstigen Landesresidenz Karlsruhe, den Anteil Badens an der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts demonstrieren. Sie wird vom Badischen Kunstverein veranstaltet, er ist der älteste deutsche Kunstverein und wurde 1818 gegründet, "ein Kind der Romantik, der mit dieser Ausstellung den Aufbruch seiner eigenen Jugend zu bezeugen hat", schreibt Klaus Gallwitz, sein heutiger Leiter, in dem ausgezeichneten Ausstellungskatalog.

Daß die Ausstellung weit über ihren regionalen Anlaß hinausgeht, verdankt sie zunächst schon dem Umstand, daß auch die "Zugereisten" vertreten sind, beispielsweise Moritz von Schwind und der Russe Fedor Iwanow, der in Petersburg am Hofe Katharinas II. aufwuchs, von ihr als "Geschenk" der Landgräfin von Hessen-Darmstadt überlassen wurde, vorübergehend als badischer Hofmaler in Karlsruhe fungierte und 1832 in Paris starb. Die Heidelberger Romantik ist mit Carl Philipp Fohr vertreten, man sieht seine berühmte "Romantische Landschaft in Italien" von 1817 und einige seiner Künstlerporträts aus dem Café Greco in Rom.

Neben den prominenten Namen aus Baden wie Thoma und Trübner gibt es viele kaum bekannte oder vergessene Maler von erstaunlichem Niveau, vor allem unter den Romantikern: Ernst Fries, Franz Xaver Winterhalder, Friedrich Moosbrugger, dessen unruhiges Leben mit 26 Jahren in Petersburg endete. Nicht weniger überraschend aus der 2. Jahrhunderthälfte ist Carl Heine, mit einem der seltsamsten Familienbildei (der Maler ist 1882 bei der überfahrt nach England in der Ostsee ertrunken).

Die gut 200 Bilder kommen aus Museen und Privatsammlungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Sie bieten das ungewohnte Panorama eines Jahrhunderts, "das sich alt fühlte und in der Romantik sein Jugendbild erkannte, das aber bald darauf seinen pragmatischen Sinn entdeckte und die Melancholie seiner Jugend vergaß". Die Ausstellung endet am 15. August.

  • "Leiv Warren Donnan" (Worpswede, Galerie Ruth Steinmüller): Das Haus Mackensen, Weihestätte der Alten Worpsweder Schule, ist neuerdings Treffpunkt der Avantgarde. Ruth Steinmüller hat im ersten Stock eine Galerie für zeitgenössische Kunst etabliert. Hier zeigt sie – bis zum 26. August – Bilder und Graphik von Leiv Warren Donnan. Der Maler ist 1938 in Australien geboren, in Deutschland aufgewachsen und lebt in Berlin. Er gehört zum Kreis der neorealistisch orientierten Galerie Großgörschenstraße.

Bewegte Figuren, Fußballspieler, Ringer, voluminöse Akte, werden auf die Leinwand geschleudert, zeichnen ihre verwischten Konturen in die verschwimmenden Flächen, manifestieren Brutalität und Leere. Die Graphik dagegen ist subtil und präzise gearbeitet, das gleiche Motiv wird durch verschiedene Druckvorgänge modifiziert. Für Donnan ist Graphik ein grundsätzlich anderes Metier als die Malerei. Es wäre zwecklos, eine Verbindung zwischen beiden herzustellen, fein vielversprechendes Debüt. Gottfried Sello