"Operationen größeren Stils" gegen amerikanische Stützpunkte in Südvietnam kündigte ein Sprecher der "südvietnamesischen Befreiungsbewegung" in Kairo an. Die Vietkong wollen versuchen, alle Städte durch Blockierung der Zufahrtswege vom Hinterland abzuschnüren, um sie dann direkt anzugreifen. Ein Musterbeispiel dieser Taktik demonstrierten die Vietkong bereits beim Luftstützpunkt Da Nang, wo auf die Einkreisung intensive Feuerüberfälle folgten.

Während sich die militärische Lage der Amerikaner weiter verschlechtert, werden die Bemühungen um eine politische Lösung des Konfliktes fortgesetzt. Eine neue diplomatische Offensive wurde am Wochenende von dem jugoslawischen Staatspräsidenten Tito und dem indischen Ministerpräsidenten Shastri eingeleitet. Nach dem jugoslawisch-indischen Plan soll eine Vietnam-Konferenz "im Rahmen der Genfer Beschlüsse von 1954" einberufen werden, an der alle in den Vietnam-Konflikt verwickelten Parteien, einschließlich der Vietkong, teilnehmen. Der ägyptische Präsident Nasser soll in Hanoi die Minimalbedingungen für Verhandlungen erkunden.

Größer als die Hoffnung auf eine friedliche Lösung ist zur Zeit freilich die Gefahr einer Ausweitung des Krieges. Moskau und Peking beschuldigten die USA, Laos als Brückenkopf für ihre Angriffe auf Nordvietnam und gegen die Vietkong zu benutzen. Diese Vorwürfe werden in Washington als Vorbereitung auf eine stärkere militärische Aktivität der Kommunisten in Laos gedeutet. Den amerikanischen Militärs wiederum würde eine Ausdehnung des Krieges auf laotisches Gebiet nicht ungelegen kommen. Die Nachschubwege der Vietkong führen durch Ost-Laos. Während Luftangriffe auf den "Ho-Chi-minh-Pfad" wirkungslos blieben, wäre eine Blockierung der Nachschubwege durch Landstreitkräfte nach Meinung des Pentagons mit verhältnismäßig geringem militärischem Aufwand möglich. Das Eingreifen amerikanischer Truppen in Laos würde allerdings einen offenen Bruch des Genf er. Abkommens bedeuten.

Aus China kommen indes Meldungen über Kriegsvorbereitungen. Reisende, die aus der südchinesischen Stadt Kanton nach Hongkong kamen, berichteten, daß auf den Dächern der Häuser Flakwaffen in Stellung gebracht worden sind. In den Straßen werden Gräben ausgehoben, Keller und Innenkorridore zu Luftschutzräumen ausgebaut.