Für den Frieden reisen

Jeder Topf findet seinen Deckel und – diesem Sprichwort zufolge – jedes Jahr offensichtlich mindestens eine Bezeichnung. Das Schweizer Jahr der Alpen, von anderen auch Ozeanographisches Jahr genannt, ist noch nicht verrauscht, da kündet schon die International Union of großen Organisations (ein Zusammenschluß der großen Fremdenverkehrszentralen sämtlicher Kontinente) ihre Patenschaft für das kommende Jahr an. Im Oktober soll es auf der Generalversammlung zum "Welt-Reise-Jahr" erklärt werden. Und wie das bei Namensgebungen allgemein üblich ist, kann sich der Täufling nicht wehren. Zumal der großartige Anspruch erhoben wird, daß dieser Taufakt "die weltweite Verbreitung der Bedeutung des internationalen Tourismus für den Weltfrieden" fördern soll. Wer aber sorgt für die weltweite Verbreitung, wenn auch aus nicht ganz so anspruchsvollen Motiven? Die Touristen. Man greift wieder sehr hoch, bemüht das Wort Frieden, Weltfrieden gar, und wird dabei den Verdacht nicht los, daß es sich um ein rein kommerzielles Unterfangen handelt.

Schlecht beraten

Immerhin erhebt das in englischer Sprache erschienene "Handbuch für Studentenreisen" (herausgegeben vom Schweizer studentischen Reisedienst, Zürich) den Anspruch, "eine äußerst vollständige und genaue Liste sämtlicher nützlicher Erleichterungen" veröffentlicht zu haben. Sollte sich jedoch ein ausländischer Kommilitone bei einem Trip durch die Bundesrepublik auf das schmale Heft verlassen, das angeblich alle Studentenrestaurants und -hotels enthält, so wird er, wenn auch nicht gerade an der Nase herum- so doch an vielen "nützlichen Erleichterungen" vorbeigeführt. Dem Handbuch nach gäbe es weder in Bonn noch in Heidelberg oder Freiburg studentische Mensen, in denen auch die Inhaber des internationalen Studentenausweises das verbilligte Mensaessen bekommen. In Göttingen würde er beispielsweise gar nicht erst von der Möglichkeit Gebrauch machen, während der Semesterferien in einem der Studentenheime (Akademische Burse oder Fridtjof-Nansen-Haus) zu übernachten. Was für Göttingen gilt, gilt auch für andere Universitätsstädte: die meisten Wohnheime räumen während der Ferienmonate für in- und ausländische Besucher einige Zimmer (der Preis beträgt durchschnittlich drei Mark pro Nacht). Diese Adressen fehlen, nur für Berlin, Kiel, Köln und Münster scheint die Liste vollständig zu sein; dafür sind in diesen Städten bis auf Köln die Büros des Allgemeinen Studentenausschusses (ASTA) nicht genannt. Erst wenn die zahlreichen Lücken der diesjährigen Ausgabe des "Handbook on Student Travel" geschlossen sind, kann man das sicherlich gutgemeinte Heft als nützlichen Reiseführer bezeichnen. Vorläufig bleibt zu hoffen, daß nicht alle westeuropäischen Länder so lückenhaft abgehandelt wurden wie die Bundesrepublik.

Lot fliegt nach Frankfurt

Obwohl Polen noch immer kein Interesse an deutschen Touristen gezeigt hat – wie Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Tschechoslowakei –, hat die polnische Luftfahrtgesellschaft "Lot" sich seit Jahren zielstrebig um die Luftlandeerlaubnis in der Bundesrepublik bemüht. Nun ist es soweit: Vom 17. August an werden polnische Verkehrsflugzeuge zweimal wöchentlich in Frankfurt am Main landen. Die Vereinbarung sieht vor, daß im Austausch die Lufthansa auch in Warschau landen kann. Wann das geschehen soll, steht im Augenblick noch nicht fest, womöglich erst dann, wenn die Lufthansa den geplanten Liniendienst nach Moskau eröffnen kann.

Die polnische Flugverbindung nach Frankfurt bedeutet nun aber durchaus noch keinen kommenden Touristenverkehr nach Polen. Lot (und auch Lufthansa) ist an dem Anschluß für die Nordatlantikfluggäste nach dem Osten interessiert, es sind viele Amerikaner polnischer Herkunft darunter.