Von Heinz Michaels

Die Ankündigung des Ministers kam zu spät – drei Jahre zu spät, um präzise zu sein. Es war der 20. Juli 1965, als Hans Lenz, Bundesminister für wissenschaftliche Forschung, bekanntgab, daß die Bundesregierung mit den Vereinigten Staaten ein Abkommen getroffen hat, wonach die Amerikaner einen deutschen Forschungssatelliten in den Weltraum schießen werden. Die NASA, die amerikanische Raumfahrtbehörde, wird die Trägerrakete zur Verfügung stellen und die Bedienungsmannschaft ausbilden.

Zu diesem Zeitpunkt kreisten bereits vier Satelliten um die Erde, die auf Grund ähnlicher Abkommen gestartet worden sind. Bereits 1962 hat Italien eine Zusammenarbeit mit der NASA vereinbart, als deren Ergebnis im Herbst letzten Jahres der erste "San-Marco"-Satellit abgeschossen wurde. Der zweite Start soll in diesem Jahr erfolgen.

Auch die Briten haben sich zweimal und die Kanadier einmal amerikanischer Hilfe beim Start eigener Forschungssatelliten bedient. Auf die gleiche Weise werden noch in diesem Jahr die Franzosen und die Japaner in den Kreis der Raumfahrtnationen eintreten.

Nur die Bundesrepublik, noch die dritte Industrienation der Welt, erlaubt sich den Luxus, auf dem wirtschaftlich, technologisch und wissenschaftlich so wichtigen Feld der Weltraumforschung hinterherzuhinken. Seit einem Jahr könnten deutsche Forscher ein eigenes Weltraumexperiment durchführen, wenn man italienisches Tempo angeschlagen hätte; nun wird der erste deutsche Forschungssatellit, wenn das Projekt mit Hochdruck vorangetrieben wird, erst 1967 gestartet werden können – vorausgesetzt, das Parlament bewilligt die notwendigen Mittel. Rund 85 Millionen Mark dürfte der Bau und der Start des Satelliten kosten – weniger Geld als wir schon für unwichtigere Dinge verplempert haben. Im Haushalt 1965 waren 7 Millionen Mark veranschlagt.

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Es ist nun allerdings nicht so, daß die Bundesregierung bisher nichts für die Weltraumforschung getan hätte. 1964 und 1965 beispielsweise hat sie zusammen knapp 30 Millionen Mark an die Europäische Organisation für Weltraumforschung ESRO (European Space Research Organisation) gezahlt. Von diesem Geld waren bis zum Frühjahr dieses Jahres 450 000 Mark in die Bundesrepublik zurückgeflossen, für die deutsche Wissenschaftler eine Projektstudie anfertigten. Mit dem restlichen Geld subventionierten wir praktisch die Weltraumforschung der anderen Mitgliedsländer.