Mitten im Sommerschlußverkauf kündigte das Volkswagenwerk an, daß es die Autos der Bauserie 1964/65 um 250 Mark unter dem bisherigen Preis verkaufe. Das Lager soll geräumt werden, um den neuen Modellen Platz zu machen. Erstmals folgte das Unternehmen damit einer Usance, die sich bei den anderen Automobilwerken bei einem Modellwechsel schon eingebürgert hat. Nur: Dort gibt man die Preise einige Zeit vorher völlig frei.

Der Überraschungscoup war dem Volkswagenwerk diesmal mißlungen. Schon frühzeitig waren aus einem Münchner Atelier Werbephotos der neuen Modelle, deren Vorbereitung nach alter Tradition strikt dementiert worden war, herausgeschmuggelt worden. So kündigte denn die Presseabteilung die neuen Typen mit einem Understatement in einem Nebensatz der Nachricht über das Ende der Werksferien an: "Außerdem wird es zwei neue Volkswagen geben: VW 1300 und VW 1600 TL."

Wie schon früher hat Professor Nordhoff auch diesmal den Weg gewählt, dem Ansturm der Konkurrenz damit zu begegnen, daß aus den vorhandenen Modellen neue Typen entwickelt wurden – mit einem stärkeren Motor, aber äußerlich unverändert beim "Käfer"; mit stärkerem Motor und dem aus Amerika importierten Fastback, dem "Fließheck" mit der sportlichen Note, beim 1600 TL. Mit Scheibenbremsen, größerer Wartungsfreiheit und anderen Detailänderungen gibt es daneben das übliche jährliche Bukett technischer Neuerungen.

Übrigens: Mit zehn PKW-Modellen, abgeleitet von zwei Grundtypen, bietet das VW-Werk jetzt das differenzierteste Programm seiner Geschichte. Die Zeiten des Ein-Typen-Werkes liegen weit zurück. hm