Über den deutschen Landen hängen tiefe Wolken. Ob über den Wäldern Bayerns, Thüringen oder über den Stränden von Ost- und Nordsee, der Himmel ist verhangen. Von den Alpen bis zum Meer gibt es für die schirmbewehrten Urlauber ("1965 wird ein goldenes Schirm-Jahr") nur ein Gesprächsthema das Wetter. Die Meteorologen wagen keine Prognosen für eine längere Zeit: Nur soviel, das Wetter bleibt unbeständig. Es fehlt an geeigneten Hochs. Tiefs beherrschen die Wetterlage. Kalte Luft von Skandinavien und Island strömt ein und bringt den unerwünschten Regen. Das geht nun seit dem Frühjahr schon so, denn auch in jener Jahreszeit war es zu kalt, verglichen mit den "Durchschnittswerten" der Vorjahre. Drei Sommertage brachte bisher dieser Sommer, der bald vorbei ist. An einem Tag wurden Temperaturen von etwas über 25 Grad gemessen. (Ein Sommertag ist nach der Defination der Meteorologen ein Tag, der über 25 Grad mißt.)

Der Juli brachte 200 Prozent zuviel Regen, durchschnittliche Juli-Regenmenge 85 Liter. Juli 65: 178 Liter. Außerdem war er um 2,5 Grad zu kalt. Auch die Monate April, Mai und Juni hatten jeweils über 100 Prozent Regen zuviel und waren alle kälter als gewöhnlich. Nur das Jahr 1931 übertraf bisher in diesem Jahrhundert an Regengüssen 1965.

Was aber die Ursachen dieses feuchten Sommers sind, der in den vielen naßkühlen Sommern der letzten Jahre seine Vorgänger hat, ist "noch weitgehend ungeklärt". Gerät Mitteleuropa mehr und mehr in den Einfluß atlantischer Luftmassen als bisher? Noch wissen die Meteorologen keine Antwort.

Nicht nur die Urlauber, sondern vor allem die Landwirte leiden unter dem feuchtkalten Wetter. Bundeswehrsoldaten sollen ihnen jetzt bei der Einbringung der Ernie helfen.