Die Hauptversammlung der Schwanenwolle Tittel & Krüger AG, Hamburg, lief erwartungsgemäß lebhaft ab. Nicht nur, weil erneut keine Dividende gezahlt wurde, sondern vor allem deshalb, weil die optimistische Prognose des vor einem Jahr in den Vorstand entsandten Unternehmensberaters Hans-Georg Plaut (Campinone) in keinem Punkt eingetroffen ist. Plaut war aus dem Unternehmen ausgeschieden, nachdem der englische Textilkonzern J. & P. Coats, Patons & Baldwins von der Dresdner Bank ein Aktienpaket von mehr als 75 Prozent übernommen hatte.

Die neue Verwaltung sah sich nicht in der Lage, den von Plaut gegebenen Wechsel auf die Zukunft einzulösen. Auf die Frage, ob Plaut etwa den Wert des Unternehmens bewußt hochgespielt habe, verweigerte der sonst so auskunftsfreudige Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Christian-Adam Mez (Schweiz) jede Stellungnahme. Er meinte nur, daß der neue Großaktionär den Kauf der Tittel & Krüger-Aktien auch heute noch nicht bedauere; er räumte allerdings ein, daß der Kauf im vergangenen Jahr ziemlich rasch erfolgt sei.

Die Aktionäre diskutierten hart, aber sachverständig. Der Verwaltung wurde nichts geschenkt, sie blieb aber auch von törichten Fragen verschont, wie sie die bundesdeutschen Berufsopponenten auf jeder größeren Hauptversammlung zu stellen pflegen. Dabei hätten die Aktionäre in diesem Fall nun wirklich Grund, verärgert und unruhig zu sein. Denn immerhin hat Tittel & Krüger im Geschäftsjahr einen Betriebsverlust von ca. 4,25 Millionen Mark gemacht. Bei einem Grundkapital von 12 Millionen fällt das schon ins Gewicht. Die Verwaltung war ehrlich genug zuzugeben, daß sich das Unternehmen auch 1965 noch auf der Verlustbahn befand, daß aber die mit Hilfe des Großaktionärs eingeleiteten Maßnahmen eine Wende versprechen. Von künftigen Dividenden wurde jedoch überhaupt nicht mehr gesprochen. K. W.