Die freimütigsten Diskussionen seit der Reformation zwischen Christen der beiden großen Konfessionen brachte der 12. Evangelische Kirchentag in Köln. Die von Papst Paul VI. eingesetzte Sonderkommission zur Prüfung des Problems der Geburtenregelung gelangte an einen toten Punkt. In Rumänien wurden 15 Absolventen katholischer Seminare zu Priestern geweiht. In zwei Stadtteilen Londons wurden Synagogen mit judenfeindlichen Sprüchen beschmiert und in Brand gesteckt. Als mutmaßliche Urheber der antisemitischen Schmierereien in Bamberg wurde ein 20jähriger stellungsloser Zahntechniker verhaftet. In Israel kam es wieder zu Protesten gegen den Bonner Botschafter Rolf Pauls und dessen Vertreter Alexander Török.

Dem Vietnam-Konflikt galten sowohl die Besprechungen zwischen Josip Broz Tito und dem indischen Ministerpräsidenten Lal Bahadur Shastri als auch die Gespräche zwischen dem jugoslawischen Staatspräsidenten und dem amerikanischen Sonderbotschafter Averell Harriman. Frankreich ordnete die Zurückziehung seiner Offiziere aus den mit der Vorbereitung der NATO-Stabsübung "Fallex 66" befaßten militärischen Einheit an. Der französische Staatspräsident General Charles de Gaulle ließ vor seinem Aufbruch in die Ferien den 9. September als Termin seiner nächsten Pressekonferenz ankündigen. Nach der längsten Regierungskrise erhielt das größte Kabinett Belgiens in der Abgeordnetenkammer das Vertrauen der Christlich-Sozialen und der Sozialistischen Parteien. Zum neuen Führer der britischen Konservativen wurde der frühere Europa-Minister Edward Heath gewählt. Nach tumultartigen Szenen lehnte das britische Unterhaus einen gegen Premierminister Wilson persönlich gerichteten Mißtrauensantrag ab.

Der Bundespräsident genehmigte die Versetzungsgesuche von vier Mitarbeitern des Wehrbeauftragten Matthias Hoogen. Auf der Fahrt von Bonn nach Bornheim wurde der Wagen des SPD-Wehrexperten Karl Wienand von einer Gewehrkugel getroffen. In einem waghalsigen "Drahtseilakt" bewältigte eine dreiköpfige Familie aus Leipzig über die Berliner Mauer hinweg die Flucht in die Freiheit. Unter Nutzung seines Rubel-Honorarkontos reiste der Schriftsteller Heinrich Böll mit Frau und zwei Söhnen durch die Sowjetunion.

Für den Juni gab die Bundesbank den größten Devisenverlust seit 1961 bekannt. Die deutsche Kosmetik-Industrie steigerte ihren Export nach Afrika und Asien. Mit Sitz in Luxemburg und unter Beteiligung der Deutschen und der Dresdner Bank wurde eine internationale Pipeline-Finanzierungsgesellschaft gegründet. Am Wochenende ging in Großbritannien zum letzten Male eine Werbung für Zigaretten über die Bildschirme des kommerziellen Fernsehens. Ein Gesetz über obligatorische Gesundheitshinweise auf Zigarettenpackungen unterzeichnete der USA-Präsident, Die amerikanischen Behörden verhinderten die Lieferung eines synthetischen Kautschukwerks an Polen. Der Österreicher Ferdinand Brandner übernahm die Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten an ägyptischen Düsenantriebs-Projekten. Das Londoner Auktionshaus Sotheby’s nahm alte Autos in sein Versteigerungsprogramm auf. In der ersten Woche seit seiner Eröffnung passierten 26 000 Kraftfahrzeuge den Montblanc-Tunnel. Eine für den Herbst vorgesehene Erhöhung der Bundesbahntarife wurde von der Bundesbahn dementiert.

Auch die letzten Mariner-IV-Photos brachten keine Beweise für Leben auf dem Mars. Der Sommer 1965 wurde von europäischen Meteorologen übereinstimmend als der kälteste des Jahrhunderts bezeichnet. In vielen Teilen West- und Mitteldeutschlands machten sich Anzeichen für Mißernten bemerkbar. Trotz der Aufhebung der Todesstrafe wurde in London ein Polizeioffizier wegen Mordes an seiner Freundin zum Tode verurteilt. Der 51jährige achtzehnfache Heiratsschwindler Helmut Hoinka wurde in Köln mit sechs Jahren Zuchthaus und anschließender Sicherungsverwahrung bestraft. Nach widersprüchlichen Zeugenaussagen wurde der Hamburger Anastasia-Prozeß wiederum verlegt.