FÜR alle, die die Literatur ernst nehmen, und insbesondere für diejenigen, die sich mit ihr aus beruflichen Gründen beschäftigen –

"Sachwörterbuch der Literatur", herausgegeben von Gero von Wilpert; Kröners Taschenausgaben 231, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart; 795 S., 17,50 DM.

ES ENTHÄLT in der neuen, der vierten Auflage unter rund 3600 Stichwörtern – und das sind etwa 600 mehr als noch in der dritten Auflage – die Erklärung der wichtigsten Fachbegriffe der Literatur und Literaturwissenschaft.

ES GEFÄLLT, weil es – und das scheint mir sehr viel zu sein – die Aufgabe, die es zu erfüllen hat, tatsächlich erfüllt. Während sich andere deutsche Lexikographen nicht selten als verhinderte Literarhistoriker, Essayisten oder Kritiker erweisen, die gern die Schranken eines nüchternen Nachschlagebuches überschreiten, zeichnet sich Gero von Wilperts Werk durch makellose Sachlichkeit aus. Wer nie bei der Entstehung eines derartigen Lexikons mitgewirkt hat, wird sich kaum vorstellenkönnen, welche immense und keineswegs nur kompilatorische Arbeit hier geleistet wurde. Denn Wilpert, der in der Regel wissenschaftlich einwandfreie Definitionen, Feststellungen und Erläuterungen bietet, beherrscht auch die Kunst der knappen Charakteristik und der konzentrierten Darstellung. Ohne in jenen übermäßig gedrängten Stil zu verfallen, der die Lesbarkeit mancher deutscher Nachschlagewerke beeinträchtigt, gelingt es ihm oft, Wesenszüge und Eigengesetze literarischer Formen, Gattungen und Strömungen in wenigen Zeilen einleuchtend darzulegen. Gewiß gibt das Buch nicht mehr als eine erste, kurze Einführung in die bisweilen komplizierte Begriffssprache der Literaturwissenschaft. Aber es ist eine intelligente, sorgfältige und fast immer vollkommen zuverlässige Einführung. M. R.-R.