Als in der Londoner City und in den Wirtschaftsredaktionen bekannt wurde, daß der 56jährige Kalifornier Monroe E. Spaght (er wurde im Jahre 1909 in Eureka geboren) zu einem der sieben Manager-Direktoren der Royal Dutch Petroleum Company, besser unter dem Namen "Shell" bekannt, ernannt wurde, glaubte man, daß es in gewissen Kreisen, etwa beim "Beaverbrook Konzern" zu nationalistischen Protesten, zu Anklagen wegen des wachsenden amerikanischen Einflusses in der britischen Industrie kommen würde.

Nichts dergleichen geschah. Und das hat: seinen guten Grund. Denn Spaght gehört seit 32 Jahren der von der europäischen Wirtschaft kontrollierten (Holland/Großbritannien) Shell Oil Company in Amerika an.

Nicht der Umstand seiner Nationalität ist so interessant, sondern sein rein wissenschaftlicher Hintergrund.

Spaght ist Doktor der Chemie, Doktor der Physik und nicht etwa honoris causa. Er begann seine Öl-Karriere als Research-Chemiker in Martines/Kalifornien und arbeitete vor allem in Raffinerien. Schon im Jahre 1940 war er Manager aller technischen Operationen der Shell Company an der afrikanischen Westküste. Während des Zweiten Weltkrieges diente er vielen technischen Ausschüssen der amerikanischen Regierung und war 1945 Mitglied der amerikanischen technischen Marinemission in Deutschland. Übrigens studierte er zwei Jahre in Leipzig Physik und spricht fließend deutsch.

Seine große Karriere begann eigentlich nach dem Kriege, als er im Jahre 1946 Vizepräsident der Shell Developement Company wurde, die sich vorwiegend mit technischen Problemen und Experimenten beschäftigte. Schon 1949 wurde er zum Präsidenten dieser Organisation ernannt, und 1960 war er Präsident der amerikanischen Shell Oil Company.

Spaght, und das scheint das Wichtigste, ist der erste reine Wissenschaftler, der eine so brillante Karriere in dieser vorwiegend von Männern aus der Geschäftswelt oder aber, aus der öltechnokratie beherrschten Industrie, gemacht hat. Er ist zumindest der einzige Wissenschaftler, der es zum Managing Director gebracht hat.

Spaght besitzt nicht weniger als acht verschiedene Patente, die mit der Ölindustrie zu tun haben. Schon deswegen hat seine Berufung auf den hohen Posten im Londoner Shell-Palast seine tiefe Bedeutung. Denn der Konzern hat riesige Interessen in den off-shore-Ölbohrungen an der englischen Küste, die aus etwa 8000 Quadratmeilen und 78 "Blocks" bestehen.