Als sich das Bundesverteidigungsministerium daranmachte, eine weitere empfindliche Lücke in unserer Vorwärtsverteidigung zu schließen, gab es Schwierigkeiten. Gemeint ist hier nicht die leidige Affäre mit dem "Starsleeper", jener bekannten Wolldecke mit luftgekühltem Hohlsaum, die viel Staub aufgewirbelt hat. Gemeint ist vielmehr die Sache mit dem "Starslip", die sich zu einem Skandal auszuwachsen droht.

Bei der Ausrüstung unserer Bundeswehr mit Unterzeug, genauer gesagt mit Unterhosen, sollte natürlich das Beste gerade gut genug sein. Darum wandte man sich an bekannte Markenfirmen in Frankreich. Tatsächlich bot man uns drüben preiswerte Slips an, die sich durch Zuverlässigkeit, Festigkeit, Saugfähigkeit auszeichneten und natürlich den modernen Erosionsschutz besaßen.

Dennoch blieben die Franzosen auf ihren Slips sitzen. Gerüchte, dafür seien politische Gründe maßgebend, wurden sofort vom Verteidigungsministerium dementiert. Man habe ein Angebot der amerikanischen Firma "Sloppy" angenommen, weil deren"Starslip" besonders haltbar sei. Der Preis liege viel niedriger, als die Opposition behaupte. Die amerikanischen Slips seien nur etwa doppelt so teuer wie die französischen. Sie befänden sich nämlich noch in der Entwicklung, und die müßte von uns mitgetragen werden.

Bald sickerte einiges über den Slip durch. Die "Starslips" waren nämlich schon von den "Ledernacken" als unzulänglich, besonders im Ernstfall und bei Feindberührung, abgelehnt worden. Die Kritik konzentrierte sich auf den Gummizug. Versuche zeigten, daß diese Slips im Gefecht nicht hielten, was sie versprachen. Dazu erklärte das Verteidigungsministerium, diese Mängel hingen teilweise mit der geringen Erfahrung unserer jungen Rekruten und diese wiederum mit dem überstürzten Aufbau der Bundeswehr zusammen. Man werde den "Starslip" nicht fallenlassen, an ihm vielmehr eisern festhalten und an seiner Vervollkommnung arbeiten.

Bald wurden neue Bedenken laut. Es hieß, der "Starslip" entwickele, vor allem im Einsatz, starke Hitze und sei zum Beispiel in Afrika überhaupt nicht zu gebrauchen. Dazu ließ von Hassel erklären, er sei auch nicht für Afrika bestimmt; außerdem werde dieses Manko dadurch ausgeglichen, daß der "Starslip" im Winter außerordentlich kühlend wirke.

Schließlich bekam der Verteidigungsausschuß Wind von der Sache. Und zwar durch eine "Spiegel-Veröffentlichung, der auch ein, bisher streng geheim gehaltenes, Schnittmuster des Slips beigefügt war. Nach dieser Darstellung wird unsere Kampfkraft durch den "Starslip" sehr geschwächt – was gerade im Hinblick auf unsere NATO-Verpflichtungen bedenklich sei. Versuche des Verteidigungsausschusses, an die Unterhose heranzukommen, um sich selbst ein Bild von der Sache zu machen, scheiterten.

Um so erstaunter war man in Bonn, als bekannt wurde, daß eine gewöhnliche Zivilistin, die Kellnerin Anita Schmalzberg, den Slip mit eigenen Augen gesehen hatte. Und zwar bei ihrem Verehrer, dem Gefreiten Klemm, der ihn zu Übungszwecken tragen mußte. In diesem Zusammenhang dürfte vielleicht interessieren, daß der Bruder der Schmalzberg Vopo-Hauptmann ist. Das läßt gewisse Rückschlüsse darauf zu, warum die Sowjets ihre wilde Kampagne gegen den "Starslip" eingestellt und auch in Genf, bei den Abrüstungsgespräche nicht wieder aufgenommen haben. Inzwischen hat von Hassel über diesen Gegenstand eine Nachrichtensperre verhängt und ihn zur "Geheimen Verschlußsache" erklärt.

Ehe man den "Starslip" endgültig der Öffentlichkeit präsentiert, will man weitere Erfahrungen sammeln und ihn unter verschärften Bedingungen erproben.