Bei der vorgesehenen Förderung von 3 Millionen Tonnen Konzentrat und einem festgesetzten Preis werden die Exporte der Bong Mining Company einen Wert von jährlich 20 Millionen Dollar darstellen; noch im Jahre 1962 betrug die gesamte Ausfuhr Liberias nicht mehr als 68 Millionen Dollar. Liberia wird also im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklungsländern, die unter den ständigen Schwankungen der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt zu leiden haben, mit festen Einnahmen rechnen können.

Das deutsche Unternehmen wie auch die anderen 38 großen Konzerne, die sich im Lande niedergelassen haben und deren Investitionssummen zusammen 12 Milliarden DM betragen, hatte nur gestartet werden können, weil Präsident Tubman während seiner nunmehr 20jährigen Regierungszeit stets die "Politik der offenen Tür" verfolgt hat. Er hatte früh erkannt, daß es Liberia an Kapital und know-how fehlt, und er hatte sich darum immer wieder in vielen großen Reden für Freihandel und Partnerschaft eingesetzt und den Schutz aller Investitionen garantiert sowie in vielen Fällen Steuerfreiheit und fast immer sehr günstige Niederlassungsvorschriften. Reichtum, der unter der Erde liegt, pflegte Tubman zu sagen, ist wertlos für den Eigentümer, der es sich nicht leisten kann, eine Schaufel zu kaufen.

Daß der Präsident es sich leisten konnte, diese Haltung einzunehmen, hängt sicherlich damit zusammen, daß Liberia sich nie in kolonialer Abhängigkeit befunden hat und die Bevölkerung daher ohne Ressentiments ist. Dank Tubmans Politik sind während vieler Jahre jährlich rund 300 Millionen DM zur Anlage nach Liberia hereingeströmt. Zwar ist an der Tatsache nichts zu deuteln, daß die Wirtschaft zur Zeit von fremdem Finanzkapital beherrscht wird – 90 Prozent aller Arbeitgeber sind Ausländer –, aber Liberia ist dadurch auch in den Genuß großer sozialer und kultureller Vorteile gelangt: Viele jener ausländischen Firmen bilden ihren Nachwuchs und ihre Arbeiter selbst aus und haben Krankenhäuser und Schulen gebaut, die sonst in Jahren noch nicht entstanden wären.

Mir erschien die Tatsache höchst verwunderlich, daß da Firmen aus dem Ruhrgebiet riesige Investitionen in Afrika vornehmen, um dann selbst jedes Jahr drei Millionen Tonnen Eisenkonzentrat herzustellen und dies schließlich auf eigene Rechnung über 6000 km zu verschiffen. "Warum kaufen denn die Hüttenwerke diese drei Millionen Tonnen nicht einfach am Weltmarkt?" fragte ich Dr. Plotzki. Seine Antwort überraschte mich außerordentlich:

"Weil die Ruhr 90 Prozent ihres Erzbedarfs ohnehin am Weltmarkt kauft, also hinsichtlich dieses existentiell wichtigen Rohstoffes fast ganz von fremden Produzenten abhängig ist."

"Wie hoch ist denn der Bedarf der Ruhr insgesamt?"

"Im vorigen Jahr wurden 30 Millionen Tonnen verarbeitet, davon kamen 10,5 Millionen aus Europa – vorwiegend aus Schweden –, 7,5 Millionen aus Afrika, 6,5 Millionen aus Südamerika und je etwa 0,7 Millionen Tonnen aus Asien und Nordamerika. Dies der Grund, warum die Ruhr den Wunsch hat, sich etwas unabhängiger von den Zufällen des Marktes und dem Monopol der Erzproduzenten zu machen."