Dr. Plotzki, ein dunkler, drahtiger Typ, der aus Ostpreußen stammt, ist nicht nur Präsident der Bong Mining Company, die von der DELIMCO das Recht zur Ausbeutung der Erzlagerstätten übertragen bekam, er war auch die treibende Kraft des ganzen Projektes. Und was gehört nicht alles zu so einem Projekt – fast ist es ein Staat im Staate –, von den ersten Erzproben, die 1957 untersucht wurden, bis zur ersten Verladung am Pier des selbstgebauten Hafens im Sommer 1965.

In dem Bericht, den Dr. Plotzki nach seiner ersten Besichtigung des Geländes im Mai 1957 verfaßte, stellte er fest, daß es in Bong Range drei Dörfer gab, die etwa vier Wegstunden voneinander entfernt lagen und die jeweils von etwa 200 Menschen bewohnt waren. Plotzki war damals mit einem liberianischen Ingenieur und ein paar Trägern unterwegs. Nur mit Hängematte, Taschenmagnet, Taschenmikroskop und Lupe ausgerüstet, sollte er sich zunächst einmal einen Begriff von diesem Gebiet verschaffen. Der Urwald war damals so dicht, daß er nur mit Blitzlicht Aufnahmen machen konnte. Die erste Inspizierung ergab, daß es offenbar lohnend sei, sich für einen Konzessionsvertrag zu interessieren.

Nächste Phase: Ein junger deutscher Bergingenieur wird dem Liberianer zugeordnet, und 50 Arbeiter werden angeworben. Jene drei Hütten wurden gebaut und Pfade angelegt. Im Herbst 1958 sichert man sich den Konzessionsvertrag, aber ob die Anlage wirklich gebaut werden wird, steht noch längst nicht fest.

Nächste Phase: 300 Arbeiter werden angeheuert. Ein Campus wird gebaut, und dann beginnt zunächst die Untersuchung des Erzlagers: Schürfgräben werden angelegt. A’uf der einen Seite den Berg hinauf, auf der anderen Seite hinunter – alle 100 Meter ein manchmal bis zu 10 Meter tiefer Graben, um das Gestein zu ergründen. Rund 16 Kilometer solcher Gräben werden angelegt. Da es nicht die Möglichkeit gibt, Bohrgeräte in den Urwald zu transportieren, dauert diese Arbeit ein ganzes Jahr.

Nächste Phase: Ein Geologe und ein Vermessungsingenieur werden den beiden Bergingenieuren zugeordnet. Mit primitiven Flaschenzügen wird ein Kompressor mit zwei Preßluftbohrgeräten heraufgebracht und ein Stollen von 2X2 Meter Weite auf halber Höhe 150 Meter tief in den Berg hineingetrieben. Zusätzlich werden weitere 9000 kleine Bohrungen vorgenommen, bis man schließlich den Berg wirklich "in- und auswendig" kennt und klar geworden ist, daß das Projekt in großem Stil in Angriff genommen werden kann.

Nächste Phase: Ein eigener Hafen muß gebaut werden. Denn im vorhandenen Hafen liegen die Schiffe oft 30 Tage vor Anker, bis sie gelöscht werden. Die Fahrrinne wird also ausgebaggert und ein Terrain von 300 Meter Breite und 900 Meter Länge aufgeschüttet – Kostenpunkt 30 Millionen DM.

Die Wohn-Hierarchie