Wenn man am Abend noch einmal herausfährt auf den Erzberg und unter sich das hellerleuchtete Industriegelände sieht und die zahllosen Lichter der Bong-Siedlung, die sich in die endlos erscheinenden Nächte der afrikanischen Wälder hineingefressen haben, dann begreift man erst so richtig, was hier geleistet worden ist. Aber man begreift voller Schrecken auch noch etwas anderes, nämlich die geradezu magnetische Anziehungskraft, die die moderne Zivilisation und ihr vermeintlicher Glanz auf diejenigen ausübt, die bislang im "Dunkel" lebten. Angelockt durch den Reichtum, den das Licht verheißt, verlassen sie ihre primitiven Hütten im Hinterland, tauschen aber gewöhnlich nur Armut gegen Elend ein, denn fern von der Geborgenheit in Familie, Stamm und Sippe wird Armut automatisch zu Elend.

Weit deutlicher noch als bei der Bong, wo die etwa 8500 Leute, die sich um die Konzession herum angesiedelt haben, ja große Verdienstmöglichkeiten genießen – überall haben sie Läden und Bars aufgemacht, vermieten sie zu Wucherpreisen Zimmer an Arbeiter, die noch keine Werkwohnung innerhalb der Bong haben – weit deutlicher wird das Negative dieser ganzen Entwicklung in Monrovia.

Vor fünf Jahren hatte Monrovia zirka 50 000 Einwohner. Heute sind es 80 000 bis 100 000, von denen aber 20 000 arbeitslos sind. Meist wohnen diese Neuhinzugezogenen – wie überall in Afrika – in Slums oder Bidonvilles, ohne Licht, ohne Wasser, ohne Kanalisation. Es wird nicht lange dauern, dann lebt ein Drittel aller Einwohner Schwarz- und Weiß-Afrikas in den drei oder vier Großstädten des jeweiligen Landes.

Die große Aufgabe, die Entwicklungsländer aus einer statischen in eine dynamische Gesellschaft umzuwandeln, ist noch nirgends gelöst worden. Einstweilen jedenfalls ist keine dynamische, sondern nur eine mobile Gesellschaft entstanden.