"Purcell-Anthologie I"; Instrumentalensemble unter Yehudi Menuhin; Electrola SME 91 416, 25,– DM

SECHSUNDDREISSIG Jahre wurde Henry Purcell alt. Fünf Opern, 45 Schauspielmusiken, über 100 Vokalkompositionen und 70 Instrumentalwerke nennt der Werkkatalog. Eine Plattenanthologie dieses Schaffens wäre verdienstlich, wenn sie nicht kaum durchführbar erscheinen müßte. Zu differenziert sind die musikalischen Formen, zu unterschiedlich die Besetzungen, zu vielschichtig die Anlässe, zu denen diese Werke entstanden. So bleibt die Möglichkeit einer nur groben Übersicht. Einen solchen Querschnitt haben wir hier vor uns. Aufgenommen sind fünf "Fantasien", kontrapunktische Sätze im strengen alten Stil, in denen die für Purcell typische Sprache herber Chromatik und starker harmonischer Reibungen gezeigt wird, dann drei Triosonaten, die aufweisen, wie Purcell "italienisch" wird, und die berühmte Pavane g-moll. Gespielt wird dies alles nicht in der introvertierten Weise einer musikwissenschaftlich unterbauten Klangaskese, sondern in der durch die Schule der Klassik und Romantik hochgezüchteten Technik modifizierter Dynamik und farbiger Artikulation, selbst mit Emotion, und das bekommt der Musik Purcells nicht immer gut. H. J. H.