Von Gabriele Strecker

Es war einmal eine Kundin, die gern in Geschäfte ging, sich dort herumschaute, beraten wurde und nach einem stillgenossenen Gespräch mit "ihrem" Verkäufer die Päckchen in den vor dem Laden parkenden Wagen legte. Das war in grauer Vorzeit, in jenen beinahe mythischen Tagen, von denen die Märchen raunen, vor 1933, wenn nicht alles trügt.

Niemand kann oder will das Rad der Zeit zurückdrehen, noch wünscht man sich weniger Autos, mehr Parkplätze und dafür um ihre Arbeitsplätze zitternde Angestellte.

Muß es aber so sein, wie es ist?

Die erfahrene oder unerfahrene Käuferin betritt am frühen Morgen, fast gleichzeitig mit den Angestellten, ein großes Kaufhaus. Morgenstunde hat auch für den Käufer Gold im Munde: Schnell hat man seine Siebensachen beisammen, die Verkäuferin ist noch nicht lethargisch, nur hapert es mit dem Bezahlen. "Bedaure, ich habe noch kein Wechselgeld. Sie müssen die 3 Mark 95 abgezählt bereithalten." Nun bedaure ich, "leider nur ein Fünfmarkstück". Aufgeregtes Hin- und Hergerenne bei den Kolleginnen. Auch hier kein Kleingeld. Man wartet bis die ersten Kundinnen ihre Beträge, abgezählt in Mark und Pfennigen, erlegen. Tröstend: "In einer kleinen Weile ist’s soweit."

Nur in Deutschland? Nein, das passiert genauso regelmäßig, wenn man auf einem italienischen Markt als erster Kunde auftaucht. Hier steht allerdings der monotone Werbe- und Klageruf "bancarotta" in logischer Verbindung mit der Wechselgeldknappheit, während die Bilanzen unserer deutschen Warenhäuser eher auf Geldfülle hoffen lassen. Ich plädiere für Wechselgeldautomaten in den einschlägigen Geschäften, zumal es auf mehr oder weniger Automaten, auch menschliche Verkaufsautomaten, allmählich nicht mehr ankommt.

Weiter: Nach jahrelangen Versuchen im Juli einen Wollpullover oder im Dezember Sandalen zu kaufen, gebe ich es allmählich auf und trainiere auf saisongerechtes Einkaufen. Dabei stört mich weniger ein messerscharf auf den jeweiligen Monat zugeschnittenes Warenangebot als die mitleidigen Blicke des Verkaufspersonals über Wünsche, die abweichen von dem, was man jeweils zu kaufen hat.