Das amerikanische Vorgehen gegen Nordvietnam macht Schule: Präsident Nasser drohte in den letzten Wochen mehrmals mit Angriffen auf die saudiarabischen Versorgungsbasen der jemenitischen Royalisten, falls König Feisal nicht bald in ergiebige Verhandlungen über den Jemen-Konflikt einwillige.

Aber im Gegensatz zu Präsident Johnson kann Nasser nicht von einer Basis der Stärke operieren. Seine 50 000 Soldaten, die im Jemen die angeschlagenen Republikaner vor der Vernichtung schützen sollen, erleiden Niederlage um Niederlage. Militärische Fachleute halten daher die Meldungen über einen ägyptischen Truppenaufmarsch an der saudi-arabischen Grenze im nordwestlichen Jemen für einen Bluff, mit dem Nasser König Feisal an den Verhandlungstisch bringen will, um sich im Jemen einen ehrenvollen Abgang zu verschaffen.

Nasser treibt wieder einmal ein gewagtes Spiel. Wenn Feisal festbleibt, wird Nassers Prestige in der arabischen Welt noch mehr angeschlagen sein, falls er dann nicht sein Wort wahr macht. Aber auch eine Eskalation im Jemen-Krieg würde ihm nur schaden. Saudi-Arabien hat bereits 10 000 Mann in der bedrohten Grenzgegend massiert. Sie könnten in dem gebirgigen Gelände nicht nur eine Invasion der Ägypter aufhalten, sondern auch in den Jemen einmarschieren und mit den Royalisten zusammen Republikaner und Ägypter zu Scharen treiben.

Am Ende voriger Woche war offenkundig, daß Feisal alle Anerbietungen Nassers abgelehnt hatte, die ihm ein ägyptischer Sonderbotschafter übermittelt hatte. Nasser hatte angeblich nacheinander vorgeschlagen:

1. eine Teilung des Jemen in einen royalistischen Norden und einen republikanischen Süden

2. gesamtjemenitische Wahlen unter Aufsicht der republikanischen Regierung; später Einsatz einer ägyptisch-saudischen Friedenstruppe.

3. ein Gipfeltreffen Nasser – Feisal Der König will jedoch anscheinend bis zum September, bis zur nächsten arabischen Gipfelkonferenz in Casablanca, warten, ehe er sich mit dem Gegenspieler aus Kairo zusammensetzt. Nichtsdestoweniger sucht er nach einem friedlichen Kompromiß in Jemen. Auf seinem Sommersitz in Taif versammelte er Vertreter des Imam und Anhänger des vor einiger Zeit gestürzten republikanischen Regirungschefs Nooman zu einem Friedensgespräch.