Was Präsident Johnsons Sonderbotschafter Averell Harriman von seiner zehntägigen Erkundungsfahrt nach Moskau mitbrachte, war allem Anschein nach nicht dazu angetan, die Hoffnungen auf ein amerikanisch-sowjetisches Friedensarrangement in Vietnam zu beleben. Harriman über seine beiden Privatgespräche mit Ministerpräsident Alexej Kossygin: "Er hat mir nichts erzählt, was ich nicht auch in der ‚Iswestija‘ hätte lesen oder auf dem Roten Platz hätte hören können."

Der sowjetische Regierungschef verhüllte seinem Gast nicht die Sorgen der Kremlführer über den Krieg in Indochina, der die Sowjetunion daran hindert, sich ungestört wichtigeren Aufgaben zuzuwenden. Er ließ auch keinen Zweifel daran, daß der Konflikt Übereinkünfte zwischen den Großmächten, etwa über die Kontrolle der Kernwaffen, fortwährend blockiere.

Kossygin meinte, der Krieg könne nur durch Verhandlungen zwischen Hanoi und Washington beendet werden. Für die Amerikaner sei es immer noch das Beste, sich aus Vietnam abzusetzen. Schon aus Rücksicht auf den chinesischen Rivalen ist Moskau nicht bereit, in dieser Auseinandersetzung die Partei nichtkommunistischer Staaten zu ergreifen. An einem Punkt der Unterhaltung blickte Kossygin seinem Gesprächspartner in die Augen und sagte: "Wer sich Freiheitsbewegungen in den Weg stellt, versucht, den Lauf der Geschichte anzuhalten."