Der Hellenenkönig Konstantin, ein Urenkel Kaiser Wilhelms II., muß bei der gegenwärtigen Regierungskrise acht geben, daß ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt wie 1918 seinen deutschen Urgroßvater und ein Jahr zuvor seinen Großvater Konstantin, einen Schwager des Kaisers: Beide mußten den Thron verlassen und sich ins Exil begeben.

Die griechische Königskrone war für die meisten ihrer Träger eher eine Dornenkrone. Otto von Wittenbach, der erste Herrscher nach der Befreiung des griechischen Volkes von der Türkenherrschaft, wurde 1862 nach dreißigjähriger Regierungszeit durch einen Militärputsch gestürzt. Sein Nachfolger Georg I., ein Sproß des dänischen Königshauses, dem auch die jetzige Königin Anne-Marie entstammt, wurde 1912 ermordet.

Dessen Sohn Konstantin scheiterte bei dem Versuch, sein kleines Land aus den Wirren des ersten Weltkrieges herauszuhalten. Zwei Jahre lang widerstand er der Volksbewegung, die der liberale Politiker Venizelos, ein Freund der Entente, gegen ihn entfacht hatte. Dann mußte er unter dem Druck des Straßenmobs und den drohenden Kanonen alliierter Kriegsschiffe zugunsten seines zweiten Sohnes Alexander auf den Thron verzichten.

Als Alexander 1920 am Biß eines Affen gestorben war, ebnete eine Volksabstimmung dem Vater noch einmal den Weg zum Thron. 1922, nach dem unglücklichen Ausgang des griechisch-türkischen Krieges, mußte er zum zweitenmal abdanken. Er überließ die Herrschaft seinem ersten Sohn Georg, der bald darauf ebenfalls der Krone entsagen mußte.

1924 entschieden sich die Griechen, in einer neuen Volksabstimmung, für die Republik. 1935 überlegten sie es sich wieder anders und riefen Georg II. als König zurück. Im 2. Weltkrieg mußte er vor den Deutschen fliehen. Infolge des Bürgerkrieges zwischen Kommunisten und Monarchisten konnte er erst 1946 den Boden seiner Heimat wieder betreten. Nach seinem Tode folgte 1947 sein Bruder Paul auf den Thron.

Paul hat sein Land aus dem Bürgerkrieg herausgeführt und sich in siebzehn Jahren kraft seiner Persönlichkeit Respekt im Volke verschafft. Die letzten Jahre seines Lebens waren jedoch von innerpolitischen Krisen überschattet, deren Auswirkungen jetzt der junge Konstantin zu spüren bekommt. Die von den Anhängern des Ex-Premiers Papandreou und den Kommunisten aufgewiegelten Demonstranten in Athen forderten bereits, Königinmutter Friederike müsse das Land verlassen: "Raus mit der Deutsehen!"