Von "Suchen" könne keine Rede sein, meinte etwas ärgerlich der Aufsichtsratsvorsitzende der Pintsch Bamag AG, Butzbach, Dr. Otto Kampf. Er bezog sich damit auf die umlaufenden Spekulationen, daß in Kürze wohl bei Pintsch Bamag ein neuer Großaktionär registriert wird. Es sei vielmehr so, erläuterte Kampf, daß ein Teil der Familienaktionäre (es sind offenbar meist ältere Damen) keine rechte unternehmerische Initiative mehr aufweist. Dieser Teil, das sogenannte "Berliner Paket", sei gewillt, seine Aktien abzugeben.

Bisher ist die Julius Pintsch KG, Frankfurt, zu etwa 86 Prozent am Kapital der Pintsch Bamag beteiligt. Hinter dieser KG steht eine weitverzweigte Pintsch-Familie mit nahezu vierzig Mitgliedern. Jene, die ihre Anteile an der Pintsch Bamag behalten wollen, fühlen sich jedoch nicht imstande, das "Berliner Paket" selbst zu übernehmen. So wird, wie sich jetzt herausstellte, bereits seit anderthalb Jahren ein finanzkräftiger passender neuer Partner "gesucht". Über Dr. Klaus Dohrn, Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, werden diese vorerst noch lockeren Gespräche geführt. Eine lange Interessentenliste liege vor, beteuerte Dohrn. Man habe zunächst "die kleinen Hunde aussortiert, damit nur die Schäferhunde" übrigblieben. Auch Dohrn ist skeptisch, ob eine erste industrielle Adresse in der Bundesrepublik oder auch im Ausland bereit ist, sich mit den 23 Prozent Kapitalanteil aus dem Berliner Paket zufriedenzugeben. Man hat bereits stillschweigend auf 26 Prozent aufgestockt, um wenigstens eine Schachtel anbieten zu können. Doch auch hier zweifelt Dohrn: "Möglicherweise wird sich die Familie bereitfinden müssen, auf ihre Majorität zu verzichten."

Somit stehen also tatsächlich 51 Prozent des Pintsch Bamag Kapitals ernsthaft zur Debatte. Konkret scheinen die Verhandlungen mit den verschiedenen Bewerbern noch nicht geworden zu sein. Die Pintsch Bamag jedoch ihrerseits ist bereit, einen neuen Großaktionär aufzunehmen, damit die in ihr liegenden Entwicklungschancen genutzt werden können.

Im vergangenen Jahre mußte dieses Unternehmen, das vornehmlich im Maschinenbau und der Verfahrenstechnik tätig ist, wieder eine Umsatzminderung um 8,7 Prozent hinnehmen. Doch für das laufende Jahr zeichnete der Vorstand, um Interessenten den Mund wässerig zu machen, ein rosiges Bild. Der Auftragsbestand, der Ende 1964 schon um 10 Prozent über Jahresbeginn lag, war zur Jahresmitte 1965 nochmals um 30 Prozent gewachsen. Der Umsatz hat sich in den ersten sechs Monaten um 14 Prozent erhöht. Und besonders ertragreich, so wurde hervorgehoben, seien gerade die Tochtergesellschaften. Pintsch Bamag selbst scheint es nämlich nicht zu sein. Zumindest im letzten Jahre erbrachten lediglich die Töchter und ein außerordentlicher Ertrag die Ausweisung eines Gewinns, der 9 Prozent Dividende zuläßt. bo.