• "Deutscher Kunstpreis der Jugend 1965 Plastik" (Stuttgart, Württembergischer Kunstverein) Eine deprimierende Angelegenheit, die diesjährige Kunstpreis-der-Jugend-Schau. Viel Mittelmäßiges, Abfall vom Tisch der Großen, wörtliche Entlehnungen von Wotruba, Hoflehner. Auch Loth und Cimiotti werden gern imitiert, vielleicht weil sie beide in der Jury saßen. Andere wollen um jeden Preis originell sein, das ergibt dann eine solche hochgestelzte Albernheit wie "Konstellation Kuß".

Bei diesem Niveau wirkt die "Bewaffnete Kanne" von Lothar Fischer wie ein stupender Einfall. Auch Detlef Birgfelds Edelstahl-Komposition, halb technische Apparatur, halb Ritterrüstung, macht einen komischen Effekt, und die "Landschaft mit Kugel" von Herbert Press würde sich auch in einem anspruchsvolleren Rahmen gut behaupten.

Wenn die hier ausgestellten Arbeiten wirklich das Beste darstellen sollen, was die jungen deutschen Bildhauer, zwischen 25 und 35 Jahren, zu bieten haben, dann hätte die Plastik hierzulande einen nicht mehr zu unterbietenden Tiefstand erreicht. Aber diese Ausstellung kann nicht repräsentativ sein, wenn man allein an den Berliner Bildhauernachwuchs denkt, aber auch an die jungen Bildhauer in München, in Düsseldorf oder Hamburg. Entweder haben viele Künstler sich gar nicht erst beteiligt, weil sie sich bei der Zusammensetzung der Jury keine Chance ausrechneten, oder die Jury war imstande, die wesentlichen Arbeiten auszujurieren.

Elf Wahlgänge waren erforderlich, bevor man sich auf Jochen Hillmann einigte, der für seine Plastik "Sterco d’Elefante" den mit 10 000 Mark dotierten Preis erhielt. "Stereo d’Elelante" ist, trotz des Namens, eine durchaus seriöse und respektable Plastik, die, ähnlich tituliert, als "Erdfrucht" oder "Scilla Alba" oder "Geplatzter Bovist" schon auf vielen internationalen Ausstellungen zu sehen war. Kugel und Schlacke, glatt geschliffene und poröse Flächen, Stahl und Bronze sind Hiltmanns Elemente. Daß er den Preis bekommen hat, ist das einzig Erfreuliche an dieser enttäuschenden Schau. Sie bleibt bis zum 5. September in Stuttgart und wird von der Städtischen Kunstgalerie Bochum übernommen. Gottfried Sello