Lawinenartig sind in den vergangenen Jahren die Ausgaben der fast zweitausend gesetzlichen Krankenkassen angewachsen, die 28,5 Millionen Mitglieder zählen und einschließlich deren Angehörigen rund neunzig Prozent der Bevölkerung im Krankheitsfall versorgen. An dem rapiden Anstieg der Ausgaben – von 1950 bis 1964 haben sie sich versechsfacht – ist sicherlich auch die Einstellung mancher Versicherter schuld, möglichst viel von dem wieder herauszuholen, was Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den gemeinsamen Topf einzahlen. Leider ist die Einführung einer maßvollen Selbstbeteiligung, der diesen Mißstand abhelfen könnte, an der Popularitätshascherei der Parteien im Bundestag gescheitert. Von entscheidender Bedeutung für die Inflation der Ausgaben waren bislang vor allem die ständig wachsenden Kosten für die ärztliche Behandlung, die Krankenhauspflege sowie die Arzneimittel. Denn es vergeht kein Jahr, in dem die sozialen Dienstleistungen nicht teurer werden. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für die Pflichtversicherten von monatlich 660 auf 900 Mark hat sie nun alle wieder auf den Plan gerufen: die Krankenhäuser, die unter der Last wachsender Kosten stöhnen, und die Ärzte und Zahnärzte, die mehr verdienen wollen. Bislang waren sie gehalten, bei ihren Forderungen auf die Finanzlage der Krankenkassen Rücksicht zu nehmen. Tatsächlich fiel es den Kassen in den letzten Jahren oft schwer, die Einnahmen den wachsenden Kosten anzupassen. Obwohl Beitragserhöhungen häufig waren, konnten notwendige Rücklagen kaum gebildet werden. Wird das künftig eher möglich sein, wenn mehr Gelder durch die höheren Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in die Kassen fließen?