Wer heute seine Ersparnisse nicht richtig anlegt, befindet sich auf der Verliererseite. Die Spargroschen werden von mehreren Seiten bedroht, vom Kaufkraftschwund der Mark, der in diesem Jahr einen Rekord erreichen wird, sowie vom Finanzamt, das auf die Einnahmen aus Kapitalvermögen Einkommensteuer erhebt, und wenn sie eine bestimmte Größenordnung überschreiten, auch noch Vermögensteuer auf die Ersparnisse. Es ist aber töricht, deswegen zu resignieren. Der Kapitalmarkt birgt heute Chancen genug, um die Folgen der inflationären Tendenzen zu überwinden und auch das Finanzamt zufrieden zu stellen.

Beginnen wir heute, meine verehrten Leser, mit einem kurzen Blick auf die steuerliche Situation, weil sie bei der Wahl der Sparformen eine bedeutende Rolle spielt. Einkommen- und Lohnsteuerpflichtige haben bei Einkünften aus Kapitalvermögen Anspruch auf eine Werbungskostenpauschale von 150 Mark. Bei Verheirateten verdoppelt sich dieser Betrag. 300 Mark können also jährlich an Zinsen (Dividenden) vereinnahmt werden, ohne daß ein steuerlicher Abzug (nach den jeweils geltenden Tarifen) vorgenommen wird.

Bei Lohnsteuerpflichtigen kommt eine Sonderregelung hinzu: Sie können nämlich 800 Mark Nebeneinnahmen jährlich kassieren, ohne eine Einkommensteuererklärung abgeben zu müssen. Praktisch können sie 800 Mark steuerfrei vereinnahmen. Rechnet man die Werbungskostenpauschale für Einkünfte aus Kapitalvermögen hinzu, so sind 1100 Mark an Zinsen steuerunschädlich vereinnahmbar, wenn es sich um ein Ehepaar handelt. Oder umgerechnet: Bei einer Verzinsung von 7 Prozent können Erträgnisse aus einem Kapitalvermögen von 15 700 Mark steuerfrei kassiert werden.

Die höchsten Zinsen erzielt der Sparer zur Zeit in festverzinslichen Wertpapieren. Daß diese trotzdem in der Gunst der Sparer nicht allzu hoch im Kurs stehen, liegt daran, daß sich der Zins in den letzten beiden Jahren von 5 1/2 Prozent bis auf 7 Prozent erhöht hat. Die Folge war, daß die Anleihen und Pfandbriefe mit einem niedrigen Zinssatz an der Börse immer weniger wert wurden. Denn die Sparer wollten naturgemäß solche Papiere, die ihnen am meisten eintrugen. Deshalb wurden die "alten" Emissionen auf den Markt geworfen, um die neuen, höher verzinslichen Rentenwerte erwerben zu können. Papiere, bei denen aber das Angebot höher ist als die Nachfrage, pflegen an der Börse im Kurs zu sinken, bis auch sie wieder für die Anleger interessant werden. So kommt es, daß festverzinsliche Wertpapiere mit einem Zinssatz von 5 oder 6 Prozent wegen ihres niedrigen Kurses, zu dem sie erhältlich sind, einträglicher sein können als Anleihen mit hohen Nominalzinssätzen.

Das wird in der Regel aber nur ein Fachmann ausrechnen können. Er wird auch die jeweilige steuerliche Situation des Käufers bei der Anlage berücksichtigen. Was Ihnen, meine verehrten Leser, jedoch niemand beantworten kann, ist die Frage, ob der Rentenmarkt seinen Kurstiefstand schon erreicht hat. Das wird allein davon abhängen, ob sich die öffentliche Hand einig wird und den Kapitalmarkt nur im Rahmen seiner Ergiebigkeit in Anspruch nimmt. Wenn man sich allerdings mit Kommunalpolitikern über dieses Thema unterhält, müßte man pessimistisch sein. Ihnen kommt es allein darauf an, ihre kommunalen Vorhaben zu finanzieren. Der Preis scheint ihnen gleichgültig zu sein. Der Blick für die wirtschaftliche Gesamtverantwortung wird nämlich oftmals durch den Wunsch getrübt, durch besondere Bauleistungen das Wählervolk bei Laune zu halten, das ja den dahinterstehenden Schuldenberg nicht sieht.

Dennoch glaube ich, daß der Zins in der Bundesrepublik nicht mehr nennenswert steigen wird. Schon den heutigen Zinssatz kann sich eine auf Ausfuhr angewiesene Industrienation auf die Dauer nicht leisten. Daher müßte nach allen Regeln der Vernunft eines Tages der Zinssatz wieder sinken. Und dann gibt es eine Hausse am Rentenmarkt. Wer deshalb heute festverzinsliche Wertpapiere erwirbt, vereinnahmt nicht nur ungewöhnlich hohe Zinsen, sondern hat daneben die Chance, daß seine Anlage auch über den Kurs Gewinne bringt.

Ich sagte Ihnen schon, daß die Beantwortung der Frage, was man kaufen soll, wesentlich von der steuerlichen Situation abhängt. Daneben ist die Anlagedauer wesentlich. Private Anleger mit einer Einkommensteuerbelastung von 50 Prozent (das sind, meine verehrten Leser, leider nur wenige) können bei der richtigen Auswahl Spitzenrenditen von 8,90 Prozent erzielen. Und zwar beispielsweise bei der fünfprozentigen Bundesanleihe von 1961. Ihr Kurs liegt bei etwa 90 Prozent. Sie wird in den Jahren zwischen 1967 und 1976 zurückgezahlt, die sogenannte mittlere Laufzeit beträgt etwa sechs Jahre. Die laufende Rendite beträgt nur 5,5 Prozent. Aber da die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt wird, vereinnahmt derjenige, der die Anleihe bis zur Auslosung (Rückzahlung) durchhält, einen steuerfreien Rückzahlungsgewinn. Dieser Umstand fällt natürlich bei Leuten mit hoher Einkommensteuerbelastung schwerer ins Gewicht als bei Steuerpflichtigen, die niedrigere Sätze zahlen müssen. So ermäßigt sich die Rendite bei einer "nur" 30prozentigen Einkommensteuerbelastung schon auf 7,93 Prozent. Aber schließlich ist das auch noch ganz reizvoll.