Bei meinem Besuch in der Landeshauptstadt Mainz geriet ich gerade mitten hinein in eine dieser kulturpolitischen Sturmböen: Schulstreik in Lemberg im Kreise Pirmasens! Die Eltern zweier zur Gemeinde gehörender Ortschaften weigern sich, ihre Kinder aus der einklassigen Schule in die bereits vor einigen Jahren neu erbaute, voll gegliederte Schule nach Lemberg zu schicken.

Ich werde Zeuge einer Lagebesprechung im Ministerium. Der liebenswürdige, ein wenig ängstliche Minister neigt zu friedlich-schiedlicher Beilegung (eine Abordnung der Schulstreikenden hatte ihn am Tage zuvor in seiner Privatwohnung belagert und ihm ziemlich zugesetzt); seine jüngeren Mitarbeiter und Staatssekretär Buchheim warnen: "Hier dürfen wir nicht nachgeben, wir machen uns ja lächerlich."

Es ist eine (wenn es so etwas in einem parteichristlich regierten Lande gibt) verteufelte Zwickmühle, in der die verantwortlichen Kulturpolitiker der CDU in Rheinland-Pfalz im Einzelfall ebenso stecken wie im Prinzip: Von vorn droben Knüppel aus den eigenen konservativen und klerikalen Reihen und versuchen, sie am Weitergehen zu hindern; von hinten bohren die Lanzen der FDP und SPD, die sie vorwärts treiben wollen.

Ministerialdirigent Dr. Schreiner (Chef der Planungsabteilung, Haushaltsreferent und Vater eines Zehnjahresplans zum Ausbau des rheinland-pfälzischen Schulwesen) hat sich und seinen Besuchern den alten Sinnspruch als Menetekel an die Wand seines Amtszimmers gehängt: "Unmögliches wird sofort erledigt; Wunder dauern etwas länger; auf Wunsch wird gehext."