Wenn nicht alles täuscht, werden auf der Liste traditionsreicher deutscher Schiffswerften im nächsten Jahr einige Namen fehlen: Unter Assistenz der Bundesregierung verhandeln die bundeseigene Howaldtswerke Hamburg AG und die in Hamburger Familienbesitz befindliche Stülcken-Werft über eine Fusion. Möglicherweise werden die beiden Namen noch auf die Herkunft der Teile eines neuen Unternehmens hinweisen, für das bisher noch kein Firmenname feststeht.

Noch ist allerdings nichts entschieden; weder ist die Fusion schon beschlossene Sache, noch ist es ausgeschlossen, daß sich auch ein dritter Partner daran beteiligt. Wenn schon von Fusionen Hamburger Werften gesprochen wird, so liegt es natürlich nahe daran zu denken, auch die zwischen Stülcken und Howaldt liegende Werft Blohm und Voss AG einzubeziehen. Auf dem Steinwerder im Hamburger Freihafengelände grenzen die drei Werften praktisch aneinander.

Eine Neuordnung der deutschen Schiffbauindustrie ist allerdings schon seit Jahren überfällig. Als der,-Boom im Weltschiffbau abebbte, mußten die Werftdirektoren an Deutschlands Küste ernüchtert feststellen, daß ihre Auftragsbücher fühlbar dünner wurden und lukrative Order für Schiffsneubauten vor allem nach Japan gingen.

Schon 1957 hatten sich die Japaner auf den ersten Platz unter den Schiffbaunationen emporgearbeitet und dabei Großbritannien auf den zweiten und die Bundesrepublik auf den dritten Platz zurückgeworfen. Inzwischen hat auch noch Schweden den deutschen Schiffbau überholt, so daß die Bundesrepublik heute an vierter Stelle steht, während die Japaner mit Angeboten, die durchschnittlich um 10 bis 20 Prozent unter den deutschen Offerten liegen, ihren Vorsprung noch vergrößern konnten.

Der große Vorteil, den die Japaner hatten, waren die günstigen Kredite, die sie den Auftraggebern anboten. Aber auch dann, als die anderen Länder nachzogen, zeigte es sich, daß es mit Kredithilfen und Exportförderung allein nicht getan war. Die günstigeren Betriebsgrößen der japanischen Werften und die bessere Struktur der Schiffbauindustrie Japans beließen die fernöstlichen Schiffbauer noch immer in der Vorhand.

Während nun in England nach einigem Zögern der Entschluß zu einer Kooperation gefaßt wurde, saß die deutsche Werftindustrie weiter auf dem hohen Roß und glaubte, daß jeder für sich sein Schifflein aufs Trockne bringen könne. Selbst als Schlieker in Konkurs ging, verschloß man sich an der Elbe noch der Einsicht, daß die alten Unternehmensformen und -großen im Weltschiffbau nicht mehr genügend wettbewerbsfähig sind. Die Chance für die Basis einer Zusammenarbeit wurde damals verpaßt; der Plan, die herrenlos gewordenen Schlieker-Docks in eine Hamburger Dockgemeinschaft einzubringen, blieb auf dem Papier.

Vor allem von den Gewerkschaften wurde damals eine Kooperation der Werften öffentlich gefordert. Heinz Ruhnau, verantwortlich für die IG Metall in Norddeutschland und damit auch für die 100 000 "Werftgrandis", wie die Schiffbauer im Küstenjargon heißen, hatte 1962 vor dem Schlieker-Konkurs, in einer Gewerkschaftskonferenz erklärt: