Von Werner Höfer

Durch das Schlammbad der Bundesliga dribbelte er wie ein Parzival des grünen Rasens. Aber in der Krisensaison 1965/66 spielt er nicht mehr mit. Deutschlands Fußballer mit dem wertbeständigsten Ruhm, der Kölner Hans Schäfer, wird von einer Zentralfigur zu einer Randerscheinung, indem er das Spiel des 1. FC nicht mehr von innen dirigieren, sondern die Spieler von außen inspirieren wird. Er wird für seinen Präsidenten Franz Kremer ungefähr das, was die jungen Intellektuellen von Harvard einst für John F. Kennedy werden sollten: ein "special adviser", ein Ratgeber in allen Lebenslagen.

Ohne das melancholische Gewölk, das in der Stunde des Abschieds von der Rampe das Haupt eines Stars so kleidsam zu umgeben pflegt, stellt er sich einem fare-well-Interview:

"Gibt es zwischen dem Wirbel in der Bundesliga und Ihrem Rücktritt vom aktiven Sport einen Zusammenhang?"

"Nicht die Spur! Ich werde bald 38 Jahre alt, und wenn ein Fußballspieler in dieses Alter kommt, muß er sich entscheiden, ob er mit Anstand abtreten oder als Veteran über das Spielfeld trotten will."

"Sie haben eine einzigartige Laufbahn hinter sich, Herr Schäfer. Bitte, berichten Sie selbst über Ihren ‚record’."

Wie ein älterer Staatsmann, der sich freiwillig entschließt, den politischen Geschäften den Rücken zu kehren, auf die Frage nach seinen Leistungen nur äußere Ereignisse erwähnen kann, wie etwa internationale Konferenzen, auf denen er für sein Land das Beste zu tun versuchte, so zählt der ballmüde Nationalspieler auf: