Sechs Wochen vor der Bundestagswahl sagten die Meinungsforscher ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden großen Parteien voraus. Trotz der heftiger werdenden gegenseitigen Attacken will das Gerede über eine "Große Koalition" nicht verstummen.

Ludwig Erhard, Spitzenkandidat der CDU, eröffnete den Wahlkampf seiner Partei mit dem Paukenschlag: "Die SPD ist zur Führung nicht geeignet." Aber trotz dieser entschiedenen Absage an die "Große Koalition" wollte der Parteivorsitzende Konrad Adenauer Koalitionsgespräche mit der SPD für die Zeit nach der Wahl nicht gleich ausschließen.

CSU-Vorsitzender Franz-Josef Strauß bescheinigte dem Kanzler sogar öffentlich, er halte dessen Ansichten für falsch, weil er damit der FDP einen Freibrief ausstelle. Strauß bedachte den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Herbert Wehner sogar mit dem Ehrentitel "Genie".

Ebenso vorsichtig wie Adenauer äußerte sich auch der SPD-Vorsitzende Willy Brandt zur Koalitionsfrage. Auch er will sich nicht schon vor der Wahl auf eine bestimmte Lösung festlegen.