Droge gegen Höhenkrankheit

In einer gläsernen Unterdruckkammer der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore atmet eine Ratte so dünne Luft, wie sie in Himalaja-Höhen um 6000 Meter von Bergsteigern angetroffen wird. Wie ungeübte Menschen in diesen Regionen von der Höhenkrankheit befallen werden und kraftlos darniederliegen, so ist auch die Ratte zu jeder Fortbewegung unfähig. Das ändert sich jedoch zwei Stunden später, nachdem die Ratte eine Injektion bekommen hat. Langsam kommt sie wieder auf die Beine und ist bald darauf frisch und munter, obgleich sie nach wie vor die dünne Höhenluft atmet.

Mit derselben Droge hofft Dr. Stephen A. Weinstein, auch bei Menschen die Höhenkrankheit kurieren zu können. Er entwickelte das unter der Bezeichnung C 1 11,366 laufende Medikament im Auftrag der US Army. Diese will sich damit auch auf die Eventualität vorbereiten, Luftlandetruppen in extrem hochgelegenen Gebieten einsatzfähig halten zu

Die Blutschranke der Plazenta

Das ungeborene Kind empfängt Sauerstoff und Nahrung aus dem Blutstrom der Mutter. Aber kein einziges Blutkörperchen der Mutter gelangt je in den Kreislauf des Embryos, da sich in der Plazenta eine "Schranke" befindet, die beide Kreislaufsysteme trennt. Dem Kieler Gynäkologen Professor Uwe E. Freese, der gegenwärtig an der Universitätsklinik Chicago arbeitet, gelang jetzt ein tieferer Einblick in den Mechanismus dieser Schranke.

Die Arterien der Mutter enden in der Plazenta, wo sie sich in zahllose kleine Äderchen verästeln. Deren Wände werden hier von Millionen elektronenmikroskopisch winzigen Blutwurzeln des Embryos durchbrochen, die im Strom des mütterlichen Blutes baden. Die Blutwurzeln vereinigen sich zu Adern und zur Nabelschnur.

Professor Freese stellte fest: Die Zwischenräume zwischen den Blutwurzeln sind so eng, daß ein einziges rotes Blutkörperchen der Mutter gerade eben hindurchstreichen kann, etwa wie ein Mensch durch dichten Wald. Folglich sinkt der Druck des mütterlichen Blutes schnell ab. Das bedeutet: Überall dort, wo das mütterliche Blut zuerst auf die Blutwurzeln auftrifft, ist der Blutdruck der Mutter stärker als der des Embryos. So können Sauerstoff und Nahrungspartikel durch die Wände der Blutwurzeln in den Kreislauf des Embryos hinüberwechseln. Am Ende des Druckgefälles ist aber der Blutdruck des Kindes größer und vermag die Abbaustoffe und Schlacken in das Blut der Mutter abzugeben.

Wahrscheinlich hat jede vom Blutstrom transportierte Substanz innerhalb dieses Druckgefälles einen speziellen Übertrittsort. So hofft Professor Freese, den Weg zu weiteren Forschungen geöffnet zu haben: zur Klärung der Ursachen von Fehlgeburten, Komplikationen während der Schwangerschaft und des Todes im Uterus als Defekt des Stoffaustauschs in der Plazenta.