Auch das Happy-End ist nur ein Ende.

Stanislaw Lec

Ungenützte Freiheit

Eine Untersuchung der Arbeitsgruppe Standortforschung an der Technischen Hochschule Hannover bestätigte, daß ein Teil dessen, was unter "akademischer Freiheit" verständen wird, verkümmert, weil kaum mehr davon Gebrauch gemacht wird. Von einer freien Wahl der Universität nämlich kann heute auch in der Bundesrepublik kaum noch die Rede sein. Von sechs Studenten studieren fünf einfach an der Hochschule, die ihrem Wohnort am nächsten liegt (und wo keine in der Nähe liegt, sinkt die Neigung zum Studium überhaupt). Hier hätte nun die Motivforschung einzusetzen. Wir vermuten, daß die in mancherlei Form sich zeigende, planmäßige Begünstigung von "Landeskindern" seitens der Universitäten, der Behörden und der staatlichen Prüfungskommissionen diese Entwicklung herbeigeführt hat. Wir fürchten, diese Entwicklung bedeutet eine Provinzialisierung.

Peter Ronnefeld

Als er 1963 nach Kiel berufen wurde, war er, achtundzwanzigjährig, der jüngste Generalmusikdirektor in der Bundesrepublik: Dem Dirigenten wie dem Komponisten Peter Ronnefeld sagte man eine Karriere voraus. Seine Reputation: Schüler von Boris Blacher und Hans Erich Riebensahm, Absolvent von Kompositionskursen am Pariser Konservatorium, Assistent Herbert von Karajans an der Wiener Staatsoper, musikalischer Leiter am Stadttheater Bonn; 1961 fand seine Oper "Die Ameise" in Düsseldorf viel Beachtung, die Ballette "Spirale" und "Peter Schlemihl" bedienten sich der seriellen Kompositionsweise. Seine Kieler Konzertprogramme waren unkonventionell, suchten das Unbekannte vorzustellen; zu seinen Jugendkonzerten gab er selbst die Einführung. Er dirigierte in Berlin, Kopenhagen, Köln, machte Plattenaufnahmen mit den Bamberger Symphonikern. Drei Wochen vor der Kieler Uraufführung erkrankte Ronnefeld schwer und mußte die Leitung von Aribert Reimanns Opernerstling "Ein Traumspiel" aus der Hand geben, am vergangenen Wochenende ist er, dreißigjährig, in Kiel gestorben.