Die Freien Demokraten verloren diese Woche die erste Runde in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem CSU-Landesvorsitzenden Franz Josef Strauß, ihrem Koalitionspartner. Strauß hatte durch Einstweilige Verfügung die Verbreitung einer FDP-Wahlillustrierten untersagen lassen, in der behauptet wurde, der einstige Verteidigungsminister habe bei der "Spiegel"-Affäre unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die Justiz veranlaßt, Menschen zu verhaften und Häuser zu durchsuchen.

In einem offenen Brief, den Strauß im Bayern-Kurier abdrucken ließ, warf er daraufhin dem FDP-Bundesvorsitzenden Erich Mende den Fehdehandschuh hin. "Gehen Sie vor Gericht und erbringen Sie den Wahrheitsbeweis Ihrer Unterstellungen gegen mich, wenn Sie dazu in der Lage sind. Sie werden es nicht sein." Und in der Tat verwarf an Dienstag das Landgericht, München den Widerspruch der FDP gegen die Einstweilige Verfügung. Zwar will die Partei in die Berufung gehen, doch ist es fraglich, ob eine neue Verhandlung noch vor der Wahl stattfinden kann.

Vom Strauß ungeschoren blieb der stellvertretende SPD-Vorsitzende Fritz Erler, der in einem Zeitungsinterview geschrieben hatte, für Strauß sei in einer neuen Regierung – auch für den Fall einer großen Koalition – kein Platz, weil er "das Parlament unter Verletzung seiner Amtspflicht als Minister wiederholt falsch unterrichtet und nach den Feststellungen des Bonner Gerichts objektiv Amtsanmaßung begangen hat".

Trotz dieser harten Absage argwöhnen die Freien Demokraten, daß der andere stellvertretende SPD-Vorsitzende, Herbert Wehner, zusammen mit Strauß ein "schwarz-rotes Hintertreppenbündnis" zwischen CSU und SPD anstrebt. Als stärkstes Indiz dafür werten sie die respektvollen Worte, die Wehner und Strauß in letzter Zeit füreinander fanden.