E. H., München

Die Afrikaner hatten ihren großen Tag in München. Unter den Nationen der "Ersten Weltausstellung des Verkehrs" war am Wochenende der Kongo an der Reihe, dem Verkehr zu huldigen. Ministerpräsident Moise Tschombé griff die Gelegenheit beim Schopfe, kam selber nach München und arbeitete sich über die weißblaue Station zu den in Bonn vermuteten Geldsäcken vor.

Die Eröffnung des Kongo-Tages in der Kongreßhalle der Ausstellung machte den geladenen Ehrengästen deutlich, wie die Kongo Wirren entstanden sein mußten. So miserabel war die Organisation. Während die Gäste verloren im Hauptsaal herumstanden, hielt der Gastgeber in einem Nebenraum eine markige Ansprache, die in schöner Offenheit um das Thema Geld kreiste. Für die "Drehscheibe Afrikas", eben den Kongo, brauche er "massive Hilfe". Wenn nicht geholfen werde, drohe eine neue Revolution, und die bisher gewonnene Schlacht um das Glück des Volkes werde in blutigem Chaos enden.

Beim opulenten Frühstück mit erlesenem Mosel und Champagner in einem der führenden Häuser am Platze verbreiteten dann auch die Spitzen der bayerischen Regierung vorübergehend Bestürzung. Ministerpräsident Alfons Goppel hatte sich zur geringen Freude der Schwarzen vertreten lassen. Als auch der stellvertretende Ministerpräsident Alois Hundhammer sich mit einer Entschuldigung verabschiedete, schienen die Beziehungen zwischen dem Kongo und dem Freistaat Bayern für einen Augenblick gefährdet. Es bedurfte einiger Aufklärungsarbeit, um den Kongolesen klarzumachen, daß eine Sondersitzung des Landtags wäh rend der Ferien über die bayerische Pechkohlengrube von Penzberg die Minister verlange.

Zum folkloristischen Abend traf eine Düsen-Sondermaschine der Air Congo in München ein, mit allem an Bord, was einem Entwicklungsland gut und teuer ist: Minister, Sekretärinnen, Jazzband, Tanzgruppe und diverse Weiblichkeiten. Im Dschungel der Verkehrsausstellung dröhnten dann die Trommeln, halbnackte Tänzer und Tänzerinnen beschwörten den "großen Häuptling" Tschombé.

Mit Wohlgefallen nahm das katholische München Kenntnis vom Messebesuch Tschombés im Frauendom ("das haben wir den Missionaren zu danken"). Die Gespräche mit dem französisch parlierenden Minister Hundhammer litten nur unter der zweistündigen Verspätung, mit der Tschombé wegen eines Hexenschußanfalls in der Staatskanzlei eintraf. Das Scherzwort von den "Schwarzen unter sich" konnte nicht ausbleiben, als Tschombé und Hundhammer auf dem Besuchersofa nebeneinandersaßen. Regierungschef Goppel war inzwischen per Hubschrauber nach Kempten enteilt, wo er bei den Allgäuer Festwochen kräftig in den "Milchsong" einstimmte: "Jupp-heidi-heida".