Das Wort von der "unbewältigten Vergangenheit" ist Franz Josef Strauß unbequem. Zugegeben, es ist recht abgenutzt. Aber nicht das allein stört ihn. Er mag auch nicht, was mit dieser Vokabel gemeint ist: die Einsicht in die unauslöschbare Schuld vieler Deutscher am Massenmord und den Zwang zur Besinnung aller Deutscher, sich über die Ursachen und Folgen jener Taten klar zu werden.

"Wir hatten Unglück", dies sein Kommentar zum Beginn der braunen Diktatur 1933. "Wir müssen herauskommen aus dem falsch verstandenen Sühne-Deutschtum. Es geht nicht länger, daß wir immer nur ein Objekt ausländischer Zurechtweisung oder internationaler Fürsorgeerziehung sind", so kanzelt er jene ab, die uns gelegentlich an das erinnern, was hinter uns liegt – wenn die Debatte um eine Verlängerung der Verjährungsfrist für NS-Kriegsverbrecher zu einem formaljuristischen Streit auszuarten droht, wenn jüdische Friedhöfe geschändet werden.

Die hier zitierten Äußerungen stammen aus Wahlreden. Doch kann man sie, nur des Datums wegen, auf die leichte Schulter nehmen? Strauß, der für die CSU mit dem Zuzug aus den Rechtskreisen im Lande rechnet, dreht die nationale Leier mit gedacht. Was er über die deutsche Vergangenheit sagt, ist wohlüberlegt, wohlberechnet. Und wer ihm widerspricht, dem ruft er zu: "Ich verbitte mir, daß Sie immer Zwischenrufe machen."

D.St.