Fünfundzwanzig Millionen retten den Haushalt nicht, ruinieren aber die Max-Planck-Gesellschaft

Von Rudolf Walter Leonhardt

Gewiß hat es viele Zeitungsleser ebenso wie mich verblüfft, in einer jetzt vielverbreiteten Anzeige zu lesen: "Die SPD macht Versprechungen und die CDU/CSU hält sie" (da fehlt irgendwo ein Komma, aber wir befinden uns ja im Lande des Bildungsnotstandes, von dem offensichtlich auch die Werbetexter der CDU/CSU nicht verschont geblieben sind).

Nun wären die meisten Deutschen freilich viel bescheidener. Es würde ihnen durchaus genügen, wenn die CDU/CSU ihre eigenen Versprechungen hielte. Einer der letzten, die erfahren mußten, daß sie dazu durchaus nicht immer bereit ist, war der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Adolf Butenandt, der jetzt in der Öffentlichkeit für seine Sorgen das Verständnis suchen mußte, das er bei der Bundesregierung nicht finden konnte. Eine für das Jahr 1966 wegen dringender neuer Projekte vorgesehene Zuschußerhöhung um 35 Millionen Mark wurde wegen der Haushaltslage auf 10 Millionen Mark zusammengestrichen. Der vorgesehene Ausbau wichtiger Max-Planck-Institute wird dadurch empfindlich gestört.

Man mache sich das doch einmal recht deutlich: Ein distinguierter Gelehrter, der einmal ein führender junger Forscher war mit eminenten Verdiensten um die Biochemie, für die er 1939 den Nobelpreis erhielt, ein Herr, zu nichts weniger geeignet als zum Antichambrieren oder (nach erfolglosem Aufenthalt im Vorzimmer) mit der Faust auf den Tisch zu hauen, Dr. phil., Dr. med. h. c., Dr. med. vet. h. c., Dr. rer. nat. h. c., Dr. phil. h. c., fordert im Namen der angesehensten wissenschaftlichen Forschungsinstitute dieses Landes 25 Millionen Mark, die für wichtige Projekte notwendig sind. Und wie reagiert man in Bonn? So, wie dort in letzter Zeit offenbar mit Vorliebe reagiert wird: beleidigt.

Warum tritt denn der FDP-Wissenschaftsminister nicht endlich zurück, um wenigstens fünf Minuten vor zwölf klar zu machen, daß seine Partei mit dieser Art von Wissenschaftspolitik nichts zu tun haben will?

Interessant scheint mir ein Blick auf die Größenordnungen, die der Wissenschafts- und Bildungspolitik im Rahmen der Finanzpolitik zugewiesen werden. Die derzeitige Bundesregierung belastet den kommenden Haushalt mit acht bis neun Milliarden, die irgendwie wieder eingebracht werden müssen. Ihr jährlicher Etat liegt bei 64 Milliarden. Und sie kürzt der Max-Planck-Gesellschaft 25 Millionen.