Auf einer Woge des Erfolgs schwamm die Adam Opel AG, Rüsselsheim, im letzten Jahre. Nach den hohen Investitionen zum Aufbau des Bochumer Werks genoß die deutsche General-Motors-Tochter in vollen Zügen die Popularität der erweiterten Kadett-Serie. Es waren aber auch die neuen Rekordtypen und die im Frühjahr 1964 vorgestellten "großen Drei" aus der Kapitän-Serie. "Es war ein Spitzenjahr, 1965 werden wir diese Höhe nicht wieder erreichen", gestand freimütig Vorstandsvorsitzender Nelson J. Stork, ein.

Die Verkaufszahlen bei Opel machten 1964 einen kräftigen Sprung nach oben, von 574 802 auf 678 284 Einheiten. Und das schlug sich natürlich auch in der Bilanz nieder. So konnten nicht allein die zur Finanzierung des Bochumer Werkes aufgenommenen langfristigen Investitionskredite von 342 auf 295 Millionen Mark abgebaut werden, auch kurzfristige Bankschulden von nahezu 172 Millionen verschwanden.

Begünstigt durch rückläufige Abschreibungen erzielten damit die Rüsselsheimer einen Jahresüberschuß von 420,1 Millionen Mark – gemessen am Umsatz ein Nettogewinn von über 11 Prozent. Für jedes verkaufte Auto erhielten die Opel-Werke einen Durchschnittspreis von 5600 Mark, davon flossen 610 Mark als Gewinn dem Großaktionär in die Tasche.

Von den spektakulären 71 Prozent Dividende kommen allerdings 160 Millionen wieder als neues Aktienkapital nach Rüsselsheim zurück. Mit einem Kapital von 750 Millionen Mark übernimmt nun Opel die Spitzenposition unter den deutschen Automobilwerken.

"Wir bilanzieren anders als die meisten deutschen Unternehmen", erläuterte Stork die erstaunliche Gewinnkraft seines Werkes. Opel bildet im Vertrauen auf seine amerikanische Mutter keine stillen Reserven, auch die Rücklagen bleiben bescheiden. Was erwirtschaftet wird, schüttet man aus, ein Jahr mehr, das andere weniger. So spart man sehr viel Körperschaftsteuern.

Nach verhältnismäßig niedrigen Investitionen in den beiden letzten Jahren ist Opel nun wieder darangegangen, kräftig auszubauen. Bis Anfang 1967 sollen gut 800 Millionen investiert werden. Da ist zunächst das im Aufbau befindliche dritte Opel-Werk in Kaiserslautern, das ab Mai nächsten Jahres Fahrwerksteile liefern wird und allein 120 Millionen kosten wird.

Auch in Rüsselsheim und in Bochum werden wieder neue Hallen errichtet. Und schließlich bauen General Motors in Antwerpen ein Montagewerk für Opelwagen, von dessen Finanzierung die Rüsselsheimer vollständig befreit sind. Dort soll die Fertigung, zunächst nur für den Export, in den ersten Monaten von 1967 anlaufen. Die Kapazität der Antwerpener. Montage wird in Rüsselsheim mit 250 000 Fahrzeugen jährlich angegeben. "Mit Antwerpen kommen wir dann an die Jahresproduktion von einer Million Wagen", stellte Stork stolz fest.