Wolfgang Amadeus Mozart: "Werke für Orgel und Orchester"; Marie-Claire Alain, Orgel, Kammerorchester Jean-Frangois Paillard; Christopherus SCGLP 75 839/40, 48,– DM.

IM Kompositionsrepertoire des "Hochfürstlich Salzburgischen Hof- und Domorganisten" Wolfgang Amadeus Mozart finden sich siebzehn mit "Kirchensonate" betitelte Werke aus den Jahren 1772 bis 1780, relativ kurze, für Orgel und Streichorchester, später auch für Bläser besetzte einsätzige Stücke, die wichtig sind als Bausteine in der Entwicklung des klassischen Sonatensatzes. Ihre liturgische Verwendung: Sie waren im feierlichen Hochamt im Salzburger Dom zwischen Epistel und Evangelium zu spielen. Dieses hochinteressante und wohl einmalige Oeuvre ist jetzt erstmalig komplett auf Platten erhältlich; es ist – aber das ist das einzige Manko der Sammlung – leider nicht, in der Reihenfolge der Entstehung aufgeschnitten. was ein Studium etwa der zunehmenden Rolle des Orgelsolos erschwert. Die exakte Beschreibung der damaligen Dommusik durch Leopold Mozart haben die Ausführenden dagegen augenscheinlich genau gelesen: Eine kleine Besetzung musiziert, sehr frisch und zügig, spielerisch, ohne; "inhaltliche", das heißt: an der Frage etwa einer liturgischen Verwendbarkeit heute eventuell aufkommende Belastung; die Orgelstimmen sind hell, aber zurückhaltend registriert, und wer etwa den Notentext der Neuen Mozart-Ausgabe zur Hand nimmt, freut sich über die präzise Artikulation. Daß Mozart außerordentlich kühn auf der Orgel improvisierte, darüber berichten die Zeitgenossen. Zwei Fantasien f-moll KV 594 und 608 und das Andante KV 616 für das Orgelwerk einer Uhr, die der zweiten Platte beigegeben sind, lassen dazu erkennen, daß Mozart auch ein eminenter und Wirkungen klug berechnender Techniker gewesen sein muß. H. J. H.