Nur weil man mir meine Bilder nicht abgekauft hat, bin ich dazu gekommen, die Hauni-Werke aufzubauen." Das ist die launige Erklärung des Doktors ehrenhalber Kurt A. Körber, daß er Fabrikant für tabakverarbeitende Maschinen wurde. Der Sonntagsmaler Körber hat für seine Blumenstilleben, Landschaftsbilder und Porträts bärtiger Bergbauern in dem holzgetäfelten Chefbüro viele Geschichten auf Lager.

Sinn für Zusammenhänge, das ist eine der hervorragenden Eigenschaften des vitalen, aufgeschlossenen Mannes, der von Hamburg aus ein Monopol auf dem Weltmarkt eroberte: 90 Prozent aller Filterzigaretten, die in aller Welt geraucht werden, sind mit Hauni-Maschinen hergestellt worden. In 108 Ländern stehen Maschinen und Ausrüstungen zur Tabakverarbeitung mit dem Hauni-Schild. Mit 2500 Mann Belegschaft schaffen die Hauni-Werke einen Umsatz, der bei 100 Millionen Mark liegt.

Sein Rezept erläutert Körber mit einem Beispiel: "Ich habe in die Entwicklung einer Maschine Millionen gesteckt, als sie noch gar nicht auf dem Markt gefragt wurde. Ich war aber davon überzeugt, daß die Filterzigarette einmal marktbeherrschend wird. Als es so weit war, konnten wir die Maschine liefern." 2500 Einfach- oder auch Mehrfach-Filter-Zigaretten werden mit diesen leistungsstarken Aggregaten pro Minute fertiggestellt. Ihr Patent ist nur eines von etwa 500 Hauni-Patenten. Der Chef allein besitzt 192.

Die Nachkriegszeit hatte Flugzeug- und Torpedoingenieure, Optiker wie Elektro- und Maschinenkonstrukteure, Physiker und Chemiker arbeitslos gemacht. Körber holte einige von ihnen nach Hamburg-Bergedorf. Sie wandten ihre Erfahrungen auf seine Branche an. Das Ergebnis dieser unfreiwilligen Branchenauffrischung: Wenn eine Tabakschneidemaschine bisher 2000 Kilogramm pro Tag schaffte, dann schnitt die neue jetzt 10 000 Kilogramm.

Als junger Siemens-Ingenieur hat er mit Hilfe einer Photozelle eine Farbkontrolleinrichtung für einen automatischen Sortiervorgang konstruiert. Eines Tages fragten ihn Vertreter der Tabakmaschinenindustrie, ob er aus diesem Gerät eine Kontroll- und Wendevorrichtung für ihre Branche entwickeln könne. Das geschah.

In der Zigarettenindustrie begann die Automation vor 30 Jahren. Der Mann, der Wesentliches dazu beitrug, erinnert sich heute: "Von der stolzen Firma Siemens sollte ich, wie man damals sagte, in eine Tabakmaschinenbude übersteigen. Das gefiel mir als Hochfrequenzspezialist nicht im geringsten." Die Aufstiegsmöglichkeiten und die Tatsache, daß die Zigarette ein stabiler Wirtschaftsfaktor ist, gaben schließlich den Ausschlag.

In der Zigarettenstadt Dresden wirkte er als technischer Direktor mit am Aufbau der Universelle Werke vom 1200-Mann-Betrieb zu einem Werk mit mehr als 4000 Belegschaftsmitgliedern.