Gerade rechtzeitig zum zwanzigsten Jahrestag der Unabhängigkeit Indonesiens hat Staatspräsident Sukarno ein unverhofftes außenpolitisches Geschenk bekommen. Denn mit dem Austritt Singapores aus der malaysischen Föderation ist schon heute jenes Ziel fast erreicht, das die Politiker in Djakarta mit drohenden Reden eher als mit effektvollen Militäraktionen angestrebt haben: die Zerschlagung Malaysias, des vor zwei Jahren aus der politischen Retorte geschaffenen südostasiatischen Mehrrassenstaates.

Sukarno, der zu Bescheidenheit und Realismus nie geneigt hat, schreibt das Hauptverdienst an dieser Entwicklung sich selber zu. Wobei er freilich übersieht oder verschweigt, daß die zentrifugalen Kräfte im Inneren dieser politisch, rassisch, religiös und ökonomisch so ungleichartigen Föderation einfach zu stark wurden. Der junge Staat, der 1963 unter britischer Regie als ein südostasiatisches "Bollwerk gegen den Kommunismus" gegründet worden war, brach nicht zuletzt aber auch deswegen auseinander, weil die Rivalität zwischen dem Malayen in Kuala Lumpur, dem patriarchalischen Ministerpräsidenten Tunku Abdul Rahman, und dem Chinesen in Singapore, dem sozialistischen Volksführer Lee, nicht anders als durch institutionelle Trennung zu entschärfen war.

Nun, da Singapore sich aus dem Staatsverband gelöst hat, fragt es sich, was aus den malaysischen Provinzen in Nordborneo werden mag. Es könnte sein, daß Sukarnos Guerillas fortan leichteres Spiel haben als bisher. Vor allem aber taucht angesichts des Fiaskos in Malaysia und des unübersichtlichen südostasiatischen Kräftespiels die Frage auf, ob und wie London künftig noch eine Ordnungspolitik "östlich von Suez" betreiben kann. H. G.